„Pudding“ ist bekannt in Grimma. Er ist quasi die Stimme der Jugend im
Stadtrat, gewählter Vertreter auf der Liste einer Wähler-Gemeinschaft.
Er spielt in einer Band, ist Mitorganisator eines alternativen
Musikfestivals und Leiter des Kinder- und Jugendhauses „Come in“. Und:
„Pudding“ ist Antifaschist. Im Moment aber ist Pudding vor allem eins:
sauer! Grund dafür ist eine Veranstaltung in „seinem“ Jugendclub von
Anfang März. Wobei es nicht die Veranstaltung selbst war, die ihn
verstimmt, sondern was im Vorfeld und danach geschah.

Bei der Podiumsdiskussion „Die Provinz zurück erobern, aber wie?“ ging
es um die Schwierigkeiten antifaschistischer Arbeit in der Provinz. Und
derer gibt es viele: Abwanderung qualifizierter Jugendlicher in die
Großstädte, zu wenig Kultur- und Freizeitangebote, Vorherrschaft der
Neonazis samt der damit einhergehenden Bedrohungssituation, hilflose bis
ignorante Bürgermeister und Stadträte und nicht selten eine wenig
hilfreiche Polizei u.a.m.. Auf dem Podium sollte also nach Wegen gesucht
werden, Problemen wie diesen beizukommen. Organisiert hatte das Ganze
das „Netzwerk Naunhof“, eine Antifa-Gruppe aus der Provinz. Die
Moderation lag in den Händen von Juliane Nagel (DIE LINKE). Grimmas
Oberbürgermeister Matthias Berger war anwesend, Vertreter des Flexiblen
Jugendmanagements, „Pudding“ natürlich und weitere Vertreter/innen
antifaschistischer Gruppen aus der Region und aus Leipzig.

Die Lokalzeitung zitierte danach: „Ein gewisser Grad an Anpassung,
gerade wenn es um die Zusammenarbeit mit Kommunen geht, ist schon
wichtig. Doch sollte man nie seine Grundsätze aus den Augen verlieren.
[…] Natürlich gibt es kein Patentrezept, aber kontinuierliche Arbeit mit
allen Akteuren, die vor Ort sind, ist schon mal ein guter Weg.“ Damit
war eines der Ergebnisse der sehr gut besuchten Veranstaltung treffend
beschrieben. Und damit hätte es gut sein können. Erst recht, da der
abschließende Auftritt zweier Bands super ankam und es im Vorfeld
gelungen war, den „Besuch“ zweier Neonazis friedlich zu verhindern. Es
hätte das gute Gefühl bleiben können, ein Stück vorangekommen zu sein
auf dem schwierigen Weg der antifaschistischen Arbeit im ländlichen Raum.

Hätte, hätte! Von der Öffentlichkeit unbemerkt hatte es vorab in Grimma
jedoch helle Aufregung gegeben. Der sächsische Geheimdienst, gemeinhin
fälschlich „Verfassungsschutz“ (LfV) genannt, hatte tatsächlich mal was
gemerkt! Nun ja, eine Geheimveranstaltung war die Diskussion ja auch
nicht. Der Vizepräsident des LfV selbst, Dr. Olaf Vahrenhold, soll sich
„informiert“ haben. Druck wurde aufgebaut, Faxe trafen ein,
Telefondrähte glühten. Ämter, Behörden, Polizei und die Diakonie als
Träger des Hauses wurden alarmiert. Eine Podiumsdiskussion als
umstürzlerische Aktion!? Zur Ehrenrettung der hiesigen Verantwortlichen
muss betont werden, dass der „Verfassungsschutz“ mit seiner
Vorfeld-Einschätzung allein blieb. Ach, übrigens: Wenig später griffen
Neonazis das Jugendhaus an. Über eine Reaktion des „Verfassungsschutzes“
ist nichts bekannt…


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