Kritische Blicke auf die „Freiwirtschaftslehre“

Als vor 80 Jahren, am 30. Januar 1933, im Deutschen Reich die
Regierungsmacht an die Nazis übergeben wurde, brach eine zwölf Jahre
währende Schreckensherrschaft an. Die Ideologie der Nazis, wie die
damals populäre Forderung nach „Brechung der Zinsknechtschaft“, hatte
zahlreiche Vorläufer und Konkurrenten. Der Kaufmann Silvio Gesell
lieferte mit seiner Freiwirtschaftslehre, die dem Zins die Verantwortung
für alle Fehler und Mängel des Kapitalismus zuwies, eine Blaupause für
die NS-Ideologie. Es handelte sich um eine Variante der
Kapitalismuskritik von rechts, eingebettet in einen völkischen Kontext
und zugleich von Antisemitismus geprägt.
Diese Theorie gilt es in einer Zeit der Finanz- und Wirtschaftskrise
kritisch zu zu hinterfragen. Ende letzten Jahres ist das Buch
»Schwundgeld, Freiwirtschaft und Rassenwahn Kapitalismuskritik von
rechts: Der Fall Silvio Gesell« erschienen, welches genau diese Theorie
beleuchtet. Geschrieben wurde es von Peter Bierl, einem Journalisten und
Autor. Ihn haben die Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen gemeinsam mit dem
WIR e.V. und dem VVN BdA Region Dresden für den 06.02., 19.00 Uhr,
WIR-AG zu einer Buchvorstellung eingeladen. Moderieren wird der
Publizist Volkmar Wölk, selbst Spezialist für die Ideologie der extremen
Rechten. Dabei möchten wir Näheres über die Theorie der
Freiwirtschaftler erfahren und mit Peter Bierl und Euch über die
„Freiwirtschaftslehre“ des Silvio Gesell diskutieren.
Dabei handelt es sich keineswegs nur um einen Ausflug in die
Vergangenheit rechten Denkens. Im Gegenteil. Spätestens seit der
Gründung der Grünen ist diese Ideologie auch in Teilen des alternativen,
ökologischen und sich als links verstehenden Lagers populär. Richtig
betont der Verlag, dass Gesells „über weite Strecken rassistische Lehre,
seine um die Produktionssphäre verkürzte Kapitalismuskritik, seine
horriblen Visionen von einem neuen Manchesterkapitalismus, sein
Sozialdarwinismus und seine Frauenfeindlichkeit noch heute vielen
Verschwörungstheoretikern, rechten und antisemitischen Gegnern eines
anonymen »Finanzkapitalismus«, aber eben auch wohlmeinenden und naiven
Kritikern von »Geld und Zins« eine ideologische Heimstatt“ bieten.
Bis heute fehlte eine kritische Gesamtdarstellung der Gesellianer bzw.
der Freiwirtschaftsbewegung, ihrer Theorie und Entwicklung, ihrer
Vorläufer und ihres aktuellen Einflusses in Deutschland. Sie endlich zu
liefern ist das Anliegen dieses Buches, das sich an politisch und
historisch Interessierte und Aktivisten in Gewerkschaften,
Bürgerinitiativen, antifaschistischen und globalisierungskritischen
Gruppen wendet.

»Schwundgeld, Freiwirtschaft und Rassenwahn
Kapitalismuskritik von rechts:
Der Fall Silvio Gesell«

„Dieses Buch kommt im richtigen Moment, denn auch unter Linken,
Globalisierungskritikern und Kapitalismusgegnern machen sich seit
Jahren, in letzter Zeit verstärkt durch die irritierenden Umstände der
aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise, die falschen Vorstellungen des
Freiwirtschaftstheoretikers Silvio Gesell (1862–1930) wieder breit. Und
auch wenn Gesell selber dem allgegenwärtigen Antisemitismus seiner Zeit
weitgehend abhold war, bieten seine über weite Strecken rassistische
Lehre, seine um die Produktionssphäre verkürzte Kapitalismuskritik,
seine horriblen Visionen von einem neuen Manchesterkapitalismus, sein
Sozialdarwinismus und seine Frauenfeindlichkeit noch heute vielen
Verschwörungstheoretikern, rechten und antisemitischen Gegnern eines
anonymen »Finanzkapitalismus«, aber eben auch wohlmeinenden und naiven
Kritikern von »Geld und Zins« eine ideologische Heimstatt. Bis heute
fehlte eine kritische Gesamtdarstellung der Gesellianer bzw. der
Freiwirtschaftsbewegung, ihrer Theorie und Entwicklung, ihrer Vorläufer
und ihres aktuellen Einflusses in Deutschland. Sie endlich zu liefern
ist das Anliegen dieses Buches, das sich an politisch und historisch
Interessierte und Aktivisten in Gewerkschaften, Bürgerinitiativen,
antifaschistischen und globalisierungskritischen Gruppen wendet.“
(konkret-magazin)

Veranstaltungen:

Mittwoch, 06. Februar, 19.00 Uhr, WIR-AG, Martin-Luther-Straße 21, 01099
Dresden

Donnerstag, 07. Februar, 18.00 Uhr, Rosa-Luxemburg-Stiftung,
Harkortstraße 10, 04107 Leipzig


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