Geithains Rathauschefin: Stadt soll keine Plattform sein / Ältestenrat nimmt Thema aktuell auf die Tagesordnung

Geithain (ie). Ein Aufzug mit offensichtlich rechtem Hintergund soll am 3. Oktober, dem Tag der deutschen Einheit, in Geithain stattfinden. Dass eine entsprechende Anmeldung gestern per Post im Landratsamt Leipzig eingegangen ist, bestätigte am Mittag Frank Stengel, Pressesprecher der Kreisverwaltung, gegenüber der LVZ. Die Polizeidirektion Westsachsen sei verständigt, es werde noch Kontakt mit den Veranstaltern geben, informierte er.
"Wir werden den Antrag prüfen und entsprechend reagieren", erklärte gestern Nachmittag Landrat Gerhard Gey (CDU). Ihm lägen noch keine detaillierten Informationen vor, betonte er.
"Dass in Geithain so eine Demonstration offensichtlich geplant ist, stört mich ungemein. Die Stadt soll keine Plattform für solche Veranstaltungen sein", sagte gestern auf LVZ-Nachfrage Geithains Bürgermeisterin Romy Bauer (CDU). Sie kündigte an, dieses Thema ganz aktuell mit in die Sitzung des Ältestenrates am Abend zu nehmen. Bauer: "Dort werden wir gemeinsam abwägen, wie wir damit umgehen."
In einer Pressemitteilung erklärte die Landtagsabgeordnete der Linken, Kerstin Köditz, sie sei stark besorgt über die für den 3. Oktober angekündigte Demonstration der Neonazis des "Freien Netzes". "Nachdem bereits Borna mehrfach Schauplatz von Aufmärschen mit Nazipropaganda gewesen ist, will das ,Freie Netz’ offenbar seine Präsenz auch in Geithain sichtbar machen", stellte sie fest.
Die enge Zusammenarbeit der Neonazikameradschaften in Borna und Geithain bestehe schon lange, so Köditz. "Das sogenannte Freie Netz, dem sie sich angeschlossen haben, ist die wohl zurzeit gefährlichste Struktur von Neonazis in Sachsen." Im letzten Jahr habe sich gezeigt, dass dieses Netzwerk, dem Gruppen aus Sachsen-Anhalt, Sachsen, Thüringen und Bayern angehörten, in der Lage sei, in relativ kurzer Zeit bis zu 300 Personen zu mobilisieren. Erst am vergangenen Wochenende habe eine Demonstration in Dessau stattgefunden. Köditz kündigte an, sie werde beim Landrat darauf dringen, dass der Aufmarsch verboten werde. Es sei offensichtlich, "dass der 3. Oktober als Termin für die Demonstration bereits als Provokation gedacht ist".


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