Wenn die eigene Medizin zu bitter schmeckt –
Der nächste Schritt zum Zerfall der NPD

Zum Rücktritt des NPD-Landesvorsitzenden Holger Szymanski von seinen Ämtern erklärt Kerstin Köditz, Sprecherin für Antifaschistische Politik der Fraktion DIE LINKE:

Es war lediglich eine Frage der Zeit, wann Holger Szymanski seinem Amtsvorgänger Holger Apfel auf dem Weg ins politische Nirwana folgen würde. Wurde bei Apfels erzwungenem Rückzug zunächst durch die NPD fälschlich von einem „burn out“ als Ursache gesprochen, so müssen bei Szymanski in den sehr, sehr dürren Pressemitteilungen des Partei- wie auch des Landesvorstandes die berühmten „persönlichen Gründe“ herhalten.

Es bleibt festzuhalten, dass Szymanski der Hauptnutznießer der damaligen Intrige gegen Holger Apfel gewesen war. Diese wurde mit tatkräftiger Unterstützung des radikalen Flügels der Partei durchgeführt. Szymanski zeigte sich wenig dankbar und bootete wenig später diese innerparteilichen Konkurrenten aus. Es zeichnet sich ab, dass ihm von genau dieser Personengruppe, besonders dem Parteinachwuchs JN, seine eigene Medizin verabreicht wurde und ihm diese entschieden zu bitter ist.

Im Klartext: Es gibt deutliche Hinweise darauf, dass der nunmehr erfolgte Schritt in ursächlichem Zusammenhang mit einer Haussuchungsaktion bei Neonazis im Frühjahr diesen Jahres steht, von der auch Szymanski betroffen war. Damals war auch die Festplatte seines Computers ausgewertet worden. Beschuldigte in diesem Verfahren, allesamt innerparteiliche Gegner Szymanskis, haben inzwischen Einsicht in die Verfahrensakten nehmen können. Es dürfte kaum Zufall sein, dass der plötzliche Rücktritt ausgerechnet danach erfolgte. Es bleibt festzuhalten, dass die Vorwürfe gegen den ehemaligen Landesvorsitzenden, er sei Spitzel des Landesamtes für Verfassungsschutz gewesen, stets nur halbherzig dementiert wurden und für ihn ohne Folgen blieben.

Der Zerfall der sächsischen NPD dürfte sich damit weiter beschleunigen. Relevantes Führungspotenzial steht kaum noch zur Verfügung. Mögliche Alternativen sind eher Verlegenheitslösungen. Gestärkt wird lediglich die innerparteiliche Rolle der Jugendorganisation JN als radikaler Vorreiter der Gesamtpartei. Gleichzeitig machen sich mit dem „III. Weg“ und „Die Rechte“ zwei neonazistische Kleinparteien bereits daran, die noch zuckende Beute unter sich aufzuteilen. Ein vorausschauender Innenminister würde jetzt nachhaltige Konzepte für die sich abzeichnende neue Lage entwickeln und entsprechende Mittel bereitstellen. Aber der sächsische Innenminister heißt Markus Ulbig.


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