Überraschungsgast: Angeklagter Pfarrer bei Tillich-Empfang (LVZ, 19.01.2012)
Jan 19th, 2012 | Von dermarsl | Kategorie: MedienechoDresden. Mit dem Neujahrsempfang von Ministerpräsident Stanislaw Tillich
(CDU) startet Sachsen nun offiziell ins Jahr 2012. Rund 800 Gäste hatten Tillich und seine Frau Veronika gestern ins Festspielhaus Hellerau geladen – darunter überraschend auch den Jenaer Pfarrer Lothar König, der nach wie vor im Blick der sächsischen Justiz steht. Die Dresdner Staatsanwaltschaft hat gegen ihn Anklage wegen “aufwieglerischen Landfriedensbruchs” erhoben und wirft ihm vor, bei Protesten gegen Neonazis am 19. Februar 2011 in Dresden zur Gewalt auf- gerufen zu haben. Der Geistliche, dem zwischenzeitlich auch die Mitgliedschaft in einer linksextremen Kampfsportgruppe vorgeworfen wurde, weist die Vorwürfe zurück. Bei einer Razzia hatten Beamte aus Sachsen auch seinen Kleinbus beschlagnahmt.
König war gestern auf Einladung der Linke-Abgeordneten Kerstin Köditz beim Empfang. Seine Tochter Katharina war Gast der SPD-Abgeordneten Sabine Friedel. Den Auftritt beim Neujahrsempfang kommentierte er
humorvoll: Er wolle nur mal schauen, ob sein Auto in Dresden auch gepflegt werde.
Beim Empfang in Dresdens Norden, wo einst der moderne Tanz und das Architekturexperiment Gartenstadt-Hellerau blühten, regte Tillich zum Querdenken an: “Wir dürfen die Dinge nicht als gegeben hinnehmen, sondern müssen uns immer fragen, wie wir es anders und vor allem noch besser machen können.” Sachsen sei dafür der ideale Ort, ein “Brutkasten für neue Ideen, Trends und Bewegungen”, wo zudem pro Kopf mehr für Kultur ausgegeben werde als in anderen Flächenländern. Tillich würdigte die “vielen engagierten Bürger, die sich überlegen, wie ihr Heimatort an Lebensqualität gewinnt” ebenso wie junge Künstler, “die sich an der Wirklichkeit reiben, um eine gesellschaftliche Debatte anzustoßen”.
Christine Keilholz






