Linken-Politikerin Köditz: Nicht mehr nur von „Neonazi-Trio“ reden (DNN, 25.01.2012)

Jan 26th, 2012 | Von | Kategorie: Medienecho

Dresden. Sachsens Linke-Politikerin Kerstin Köditz warnt vor einer Verharmlosung des Rechtsterrorismus. Nach der am Mittwoch bekanntgewordenen Ausdehnung der Ermittlungen der Bundesanwaltschaft zu den Morden der Zwickauer Neonazi-Zelle sagte Köditz der Nachrichtenagentur dpa in Dresden, nun könne „endgültig nicht mehr nur von einem „Trio“ oder einer „kleinen Zelle“ gesprochen werden“. Die Razzia am Mittwochmorgen gegen weitere mutmaßliche Unterstützer in mehreren Bundesländern bestätige sie in ihrem Verdacht, „dass es sich wirklich um ein sehr breit aufgestelltes bundesweites Netzwerk handelt“.

Belegt sei damit auch, wie dringend eine Aufklärung sei, fügte Köditz hinzu. Für umso bedauerlicher halte sie deshalb, dass der Landtag am Mittwoch nicht ihrer Fraktion folgte und den Fall des Neonazi-Trios in einem schon existierenden Untersuchungsausschuss zur Arbeit des Verfassungsschutzes aufgenommen hat.

Nach Angaben von Generalbundesanwalt Harald Range stehen mittlerweile elf Beschuldigte unter Verdacht, die mutmaßlichen Terroristen der Vereinigung Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) unterstützt zu haben. Das sind vier mehr als bislang bekannt. Hinzu kommt Beate Zschäpe als einziges überlebendes Mitglied des Neonazi-Trios, das für zehn Morde verantwortlich sein soll.

Zschäpe und vier mutmaßliche Unterstützer sitzen in Untersuchungshaft.
Am Mittwoch hatten bundesweit mehr als 100 Polizeibeamte Wohnungen und Geschäftslokale von mutmaßlichen NSU-Unterstützern durchsucht. „Es ist eine unserer vordringlichsten Aufgaben, den Kreis der Unterstützer des NSU umfassend zu ermitteln und sie gegebenenfalls zur Verantwortung zu ziehen“, sagte Range. „Auf dem Wege dahin sind wir in den letzten Wochen erheblich vorangekommen.“

In Sachsen war nach dpa-Informationen ein Spezialeinsatzkommando bei der Durchsuchung einer Wohnung in Dresden-Gorbitz beteiligt, in Thüringen wurde eine Wohnung in Laasdorf (Saale-Holzland-Kreis) durchsucht. Zudem waren die Beamten in Sachsen noch in zwei Geschäftslokalen eines Beschuldigten zugange, auch in Baden-Württemberg gab es mindestens eine Hausdurchsuchung.

© DNN-Online, 25.01.2012, 18:04 Uhr


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