Kohren-Sahlis. Der Rechtsextremist Karl-Heinz Hoffmann („Wehrsportgruppe Hoffmann“) hat jahrelang Steuergelder für die Sanierung des von ihm gekauften Rittergutes Sahlis bei Leipzig erhalten. Aus einer Antwort des sächsischen Innenministeriums an die Landtagsabgeordnete Kerstin Köditz (Linke) geht hervor, dass Hoffmann zwischen 2005 bis 2010 gut 130.000 Euro kassierte. Im vergangenen Jahr wurden knapp 17.000 Euro zurückgefordert.

Das Rittergut gehörte früher dem Dichter Börries von Münchhausen (1874-1945), dem ein zwiespältiges Verhältnis zum NS-Regime bescheinigt wird. Politische Gesinnung sei kein Ausschlusskriterium für Fördermittel beim Denkmalschutz, teilte das Innenministerium am Donnerstag auf Anfrage mit.

Köditz hält den Fall Hoffmann dennoch für problematisch. Gerade in einer Zeit, in der Projekte zur Stärkung der Demokratie in Sachsen im Gegenzug für Fördermittel eine Extremismusklausel unterschreiben müssten, mute das merkwürdig an, sagte Köditz der Nachrichtenagentur dpa. Sie sieht schlichtweg Schlamperei im Spiel. „Ich brauch keine Extremismusklausel, sondern Behörden mit einem vernünftigen Menschenverstand.“ Köditz zufolge bekenne sich Hoffmann trotz seines offiziellen Ausstiegs aus der Szene zum Rechtsextremismus. Sie verwies auf eine Veranstaltung am 11. September 2010 in Zschadraß, wo Hoffmann auf Einladung von Rechtsextremisten referierte.

Karl-Heinz Hoffmann (73) gehörte seit Ende der 60er Jahre zu den schillerndsten Figuren der westdeutschen Neonazi-Szene. 1980 wurde die von ihm gegründete Wehrsportgruppe Hoffmann verboten. 1986 wurde er zu neuneinhalb Jahren Haft wegen mehrerer Verbrechen und Vergehen verurteilt worden. Dazu zählten Geldfälschung, Freiheitsberaubung, gefährliche Körperverletzung und Nötigung. Freigesprochen wurde er dagegen von der Anklage des Doppelmordes an dem jüdischen Verleger Shlomo Lewin und dessen Lebensgefährtin Frida Poeschke. 1989 konnte er das Gefängnis vorzeitig verlassen. Hoffmann hatte sich von früheren Ansichten losgesagt.

© LVZ-Online, 17.02.2011, 19:07 Uhr


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