Linke befürchten Leichtfertigkeit bei Naunhofer Plänen (LVZ Muldental, 08.01.2011)

Jan 10th, 2011 | Von | Kategorie: Medienecho

Einrichtung eines privates Gymnasiums: Falken und Köditz werfen Frage nach Tragfähigkeit des Konzeptes auf

Landkreis Leipzig (r). Die Einrichtung eines privaten Gymnasiums in Naunhof stößt vor Ort auf positive Resonanz, löst aber auch Kritik und Sorgen aus. Dabei spielt der Einfluss auf die gesamte Gymnasiumslandschaft vor allem im nördlichen Muldental eine Rolle, wo neben den staatlichen Gymnasien in Wurzen und Brandis bereits ein Privatgymnasium in Borsdorf existiert (LVZ berichtete) .
In die Debatte schalteten sich jetzt auch Linken-Politiker aus dem Landtag ein. So begrüßenswert es sei, dass eine Stadt Maßnahmen treffe, die auch die Attraktivität als Bildungsstandort und damit die Zukunftsfähigkeit steigern, so die Leipziger Landtagsabgeordnete Cornelia Falken, müsse doch stets beachtet werden, was realistisch und finanzierbar sei. Falken, selbst Lehrerin von Beruf und Bezirkspersonalrätin, sieht ihre Befürchtungen durch eine Anfrage an den Kultusminister bestätigt, die sie im Dezember im Landtag gestellt hatte. Danach werden sich die Perspektiven auch für bereits beantragte Errichtungen von Schulen in privater Trägerschaft deutlich verschlechtern. Erreiche man beispielsweise nach vier Jahren die vorgeschriebene Mindestschülerzahl nicht, sinke der staatliche Fördersatz. “Dies engt den finanziellen Spielraum zusätzlich ein”, so Falken. “Es wäre dringend zu prüfen, ob und unter welchen Voraussetzungen die Vorgaben zu erreichen sein könnten.”
Die Gefahr, dass das Konzept in Naunhof unter den gegebenen gesetzlichen Rahmenbedingungen nicht tragfähig sein könnte, sieht auch Falkens Grimmaer Landtagskollegin Kerstin Köditz. “Immerhin plant die Stadt für das Projekt Investitionen aus Eigenmitteln von knapp 500 000 Euro. Das ist nicht nur in Zeiten knapper Kassen kein Pappenstiel. Sollte der Schulträger abspringen, weil er die geforderten Vorgaben nicht erreichen kann, ist es sicher keine leichte Aufgabe, eine Nachnutzung für das Objekt zu finden.” Naunhofs Bürgermeister Herrmann müsse sich fragen lassen, ob sein Optimismus nicht mit einem gehörigen Schuss Leichtfertigkeit verbunden sei. “Es gibt begründete Befürchtungen”, so Köditz, “die man nicht einfach vom Tisch wischen kann. Hier sind Augenmaß und Verantwortung erforderlich.” Sie hält eine neue Machbarkeitsstudie für unabdingbar. Skeptisch sehe sie auch Herrmanns Aussage, eine Ausgrenzung von sozial Schwachen werde es nicht geben. “Wie soll das machbar sein, wenn der Freistaat künftig für diese Personengruppe nicht mehr das Schulgeld trägt?”, fragt sie. “Vor genau diesen Folgen der Kürzungspolitik von CDU und FDP in Sachsen haben wir eindringlich gewarnt.”


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