Bundesparteitag der DSU in Theuma

In einem “absoluten Kuhdorf” finde der Bundesparteitag nunmehr statt, klagte ein Mitglied. In Dresden, wie ursprünglich angekündigt, habe es nicht geklappt, weil der inzwischen 71jährige ehemalige Stadtrat Peter Berauer – allein gelassen mit der Organisation – überfordert gewesen sei. Und so trafen sich die Delegierten aus sieben Bundesländern im Gasthof “Zum Anker” im vogtländischen Theuma, direkt vor den Toren Plauens. Ein “richtungweisender” Parteitag sollte es werden, so hofften die Mitglieder.
Etliche innerparteiliche Kritiker hatten gar gehofft, dass die Bundesvorstandssitzung am 20. März in Leipzig, die gemeinsam mit einer erweiterten Landesvorstandssitzung der sächsischen DSU durchgeführt wurde, den langjährigen Parteivorsitzenden Roberto Rink aus Treuen im Vogtland zum Rücktritt auffordern würde. Immerhin stünde doch mit dem Chemnitzer Rechtsanwalt Martin Kohlmann, immerhin “das einzige DSU Mitglied das sich in dem Stadtrat einer größeren Stadt gehalten hat” eine Alternative zur Verfügung, die sich wohltuend vom Niveau eines “politisierenden Kleingartenvereins” abhebe.
Nun, Rink ist noch immer Vorsitzender, ein Posten, den er seit 1993 einnimmt. Seitdem versucht er unverzagt, allen Rückschlägen zum Trotz, seine Partei aus der Bedeutungslosigkeit zurück auf den Erfolgspfad ihrer frühen Jahre zu bringen. Vergeblich. Bündnisverhandlungen zerschlugen sich immer wieder, die Ergebnisse der seltener werdenden Wahlantritte sind desaströs. Bevor einige NPD-Dissidenten, darunter der damalige sächsische Landtagsabgeordnete Klaus Baier (Annaberg-Buchholz) und dessen Adlatus Jürgen Krumpholz (Görlitz) zur DSU wechselten, nahm Rink gar wiederholt gern Einladungen der sächsischen NPD, so 2005 zum Neujahrsempfang ihrer Landtagsfraktion, an. Aus der gescheiterten Westausdehnung der Partei, deren glühender Verfechter er gewesen war, hatte er wohl die bittere Lehre gezogen, dass die DSU im Alleingang keine Erfolge erzielen können würde.
Rink ist geblieben, gewechselt haben seine Stellvertreter. Karl-Heinz Obser (Leipzig), bis 2009 einziger verbliebener DSU-Stadtrat in der Messestadt und in dieser Eigenschaft in der CDU-Fraktion untergeschlüpft, hat seinen Posten verloren. Erwartungsgemäß ausgeschieden ist auch der zweite Stellvertreter. Joachim Nothdurft (Dessau) hatte sich in der Vergangenheit wiederholt mit Roberto Rink angelegt und sich auf die Seite derer gestellt, die einen Kurs deutlich rechtsaußen fahren wollten. Der langjährige DSU-Landesvorsitzende in Sachsen-Anhalt soll gemeinsam mit seinem Sohn auch schon an einer NPD-Demonstration in Berlin teilgenommen haben. Neu auf diesem Posten sind der Erfurter Lehrer Wolfgang Mayer, der 1995 von der CDU zur DSU gewechselt war und in Thüringen stellvertretender DSU-Landesvorsitzender ist, sowie der Mannheimer Johannes Schwefel aus dem erst vor wenigen Wochen gegründeten Landesverband Baden-Württemberg. Aus diesem stammt auch ein zweites neu gewähltes Parteivorstandsmitglied. Alexander Schonath (Heilbronn), der 1996 für die REPublikaner in den Landtag gewählt worden war.
Schwefel ist ein Beispiel dafür, dass sich die DSU nicht entscheiden kann, ob sie eine konservativere Variante der CDU sein will oder aber sich in Distanzlosigkeit zur extremen Rechten bewegt. Der Wappenkunstmaler Schwefel bewegt sich seit mehr als 20 Jahren in der extremen Rechten. 1988 kandidierte er für die NPD zum Landtag von Baden-Württemberg, 1990 zum Bundestag. 1994 wurde er von der neonazistischen Gefangenenhilfsorganisation HNG als säumiger Beitragszahler geführt, bis Ende der neunziger Jahre war er Bezirksvorsitzender der NPD-Vorfeldorganisation Deutscher Arbeitnehmer-Verband. Zuletzt war er Landesvorsitzender Baden-Württemberg der marginaler Deutschen Partei, die hauptsächlich mit dem Kurs Rolf Schlierers unzufriedene ehemalige Funktionäre der REPublikaner zu sammeln versuchte. Nach einem neuerlichen Kurswechsel dieser Partei, der wieder zu einer deutlicheren Distanz zur NPD führen sollte, verließ er sie mit einer öffentlichen Erklärung. Nun ist er also in der DSU gelandet, einer Formation, die — wie nicht zuletzt der Parteitag vom 29. Mai zeigt — noch immer den politischen Spagat zwischen dem rechten Rand der Union und der NPD versucht.
Was tun, wenn der eigene Einfluss selbst auf der kommunalen Ebene immer weiter schwindet? Was tun, wenn es zum Ausgleich der eigenen Schwäche im Stammland Sachsen keine geeigneten potenten Bündnispartner mehr gibt? Nun, man sucht sich für ein Grußwort wenigstens einen im eigenen Lager prominenten Redner. Einen wie Henry Nitzsche (Ossling), der immerhin für die CDU Bundestagsabgeordneter war. Zwar kann dessen Bündnis “Arbeit, Familie, Vaterland” selbst in seinem Heimatkreis Bautzen lediglich auf höchst überschaubare Erfolge verweisen, doch in der derzeitigen desolaten Situation des Lagers hat sogar sein Name eine gewisse Strahlkraft. Die Burschenschaftliche Gemeinschaft holte ihn am 27. Mai als Festredner zu einer Kneipe im Rahmen des Burschen- und Altherrentages in Eisenach, für den 10. Juni ist im noblen “Palais Zabeltitz” in Großenhain die Veranstaltung “Das Ende des Wucherstaates — Griechenland ist überall” geplant. Mitausrichter sind die Freiheitliche Partei Deutschlands des ehemaligen sächsischen DVU-Landesvorstandsmitglieds Dr. Johannes Hertrampf (Thiendorf) und die an Silvio Gesell orientierte Humanwirtschaftspartei. Für diese zeichnet der Großenhainer Stadtrat Carsten Heine als Einlader, der 2008 bei der NPD referierte.
Henry Nitzsche bot das Gewohnte und das Erwartete. Die Bundesrepublik befände sich in einem Zustand, der dem der DDR im Jahre 1989 vergleichbar sei. Damals sei “ein verkrustetes, korruptes und nur am eigenen Machterhalt interessiertes System hinweggefegt” worden. Auch heute lebten wir in einem System, das “abgehoben und volksfern gegen unser aller Willen Entscheidungen trifft”. Alle Parteien beteiligten sich “an der Ausplünderung des deutschen Vermögens”. Natürlich beschwor er die Notwendigkeit der Einheit. Sie sei unverzichtbar, wenn man die Freiheit erringen wolle, die “Freiheit von einem alles bestimmenden Europa. Wofür: Um endlich wieder deutsche Interessen wahren zu können.” Damit sprach er der überschaubaren Zahl der Getreuen der DSU aus der Seele.
Zur erhofften Beachtung in der Öffentlichkeit führte die Rede nicht. Vom Bundesparteitag nahm lediglich die Lokalpresse Notiz. In Form einer Kurzmeldung. Mehr Beachtung wird die DSU, einstmals angetreten als “CSU des Ostens”, wohl auch in Zukunft nicht wert sein.

Kerstin Köditz


3 thoughts on “Zwischen NPD und Nitzsche

  1. Sehr geehrte Frau Köditz,

    wir hatten schon einmal das Vergnügen, besser gesagt ich hatte Ihnen schon einmal geschrieben.
    Es ging um Ihre Rede auf dem Landtag, wo Sie die DSU irgendwie ins rechtsextreme Lager
    einsortiert hatten. Leider haben Sie auf meine Einwände nicht geantwortet.
    Heute beginne ich mal mit einem Kompliment. Denn der Artikel auf Ihrer Seite zur DSU und deren
    Geschichte, ich meine nicht den zum Parteitag, darauf komme ich zurück, ist insgesamt sehr gut recherchiert und vieles stimmt. Die Dinge, die nicht stimmen oder übertrieben dargestellt sind, sehe ich
    Ihnen nach, weil Sie ja einer anderen Partei angehören und demzufolge nicht nur nicht alles wissen
    können und überhaupt ja der DSU sehr kritisch gegenüber stehen. Warum auch immer.
    Der eigentliche Grund Ihnen heute zu schreiben, ist aber Ihr Beitrag zu unserem Bundesparteitag in
    Theuma. Selbst bin ich gar nicht auf die Idee gekommen, bei Ihnen nachzuschauen. Irgend jemand
    hatte, warum auch immer auf Ihrer Internetseite den Beitrag entdeckt und mich aufmerksam gemacht.
    Ich muss schon sagen, besser hätte es ein Teilnehmer nicht wiedergeben können, also vom Ablauf,
    nicht von der inhaltlich Kommentierung aus Ihrer Sicht. Das steht Ihnen aber zu.
    Was mich besonders erstaunt hat und sicher nicht nur mich, dass es nur Stunden nach dem Ende des
    Bundesparteitages erschien. Hätte ich gewusst, dass Sie soviel Interesse an der DSU haben, hätte ich
    Sie auch als Gast eingeladen, obwohl dieser Parteitag nicht zu den Glanzpunkten aus meiner Sicht
    zählte. Das hatte Ihre Informantin regelrecht vergessen. Deshalb ergänze ich es jetzt, weil wir ja nichts
    zu verbergen haben. Wir, wie sicher alle Parteien, haben bei aller Gemeinsamkeit in den
    Grundfragen, auch unterschiedliche Ansichten. Die, glaube ich jedenfalls, meiste Zeit nahm ein TOP ein, den Sie gar nicht erwähnen. Es gab nämlich starke Meinungsunterschiede zu einem Antrag.
    Es gab Befürworter und Gegner mit der SVP zu fusionieren. Das und die dazu gefällte Entscheidung,
    dass das mehrheitlich abgelehnt wurde, vermisse ich in Ihrem Beitrag.
    Übrigens nicht nur Herr Nitzsche, sondern auch Herr Schmidt (SVP) war anwesend.
    Sie werden es mir sicher nicht verraten, ob es nicht zu Ihrem Titel des Beitrages gepasst hat oder einfach
    von der Informantin vergessen wurde. Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen.

    Mit freundlichen Grüßen

    D. Klingenberg

  2. Hr Schonath ist ein gestörter Mensch ,,,, seine Kommentare in der Heilbronner Stimme sind knapp vor der Volksverhetzung

  3. Sehr geehrte Faru Kötitz,

    natürlich sind Sie eine vielbeschäftigte Frau und es kann zu Verzögerungen bezüglich einer Antwort kommen. Ihr Schweigen auf meine Fragen zu Ihrem Bericht des Bundesparteitages der DSU ist nach so langer Zeit schon ungewöhnlich. Müssen Sie dazu mit der Informantin erst Rücksprache halten oder was gibt es denn sonst für Gründe. Meine Fragen waren doch nicht provokant.

    Beste Grüße

    D. Klingenberg