Pikierte Linke: Köditz und Eichhorn üben Kritik an Mauerfall-Diskussion (LVZ Muldental, 28.11.2009)
Nov 30th, 2009 | Von dermarsl | Kategorie: MedienechoWurzen (db). Die Linken-Politiker Kerstin Köditz und Harry Eichhorn üben Kritik an der Veranstaltung des Geschichts- und Altstadtvereins Wurzen anlässlich der friedlichen Revolution von vor 20 Jahren (die LVZ berichtete). “Uns als Linker ist weder an DDR-Nostalgie noch an Geschichtsklitterung gelegen. Gerade deshalb bedauern wir, dass nicht zuletzt durch die Einseitigkeit der Veranstaltung einer Geschichtsklitterung Vorschub geleistet wird”, sagt der Naunhofer Harry Eichhorn, der in der Wendezeit kurz Bürgermeister seiner Stadt war. Wenn der heutige Grünen-Kreisrat Lutz Otto selbstkritisch einschätze, die Reformer hätten damals unprofessionell agiert, könne man dieses Urteil auch auf die genannte Veranstaltung übertragen, so Eichhorn.
Die Linke bedaure dies, da sie überzeugt sei, dass es sich mit dem Mauerfall tatsächlich um ein epochales Ereignis gehandelt habe, mit dem der Zusammenbruch des realsozialistischen Lagers eingeleitet worden sei. “Gerade deshalb hätten wir uns eine Veranstaltung gewünscht, mit der nicht neue Mythen produziert werden”, moniert Eichhorn. “Sollte Herr Otto wirklich davon überzeugt sein, dass die SED-Vertreter an den Runden Tischen teilweise mit der Waffe im Sakko gesessen haben, dann möge er Ross und Reiter nennen. Kann er das nicht, dann möge er künftig nur über das reden, was er wirklich weiß.” Eichhorn sei selbst Teilnehmer am Runden Tisch gewesen und habe keine Kenntnis von solchen Verhaltensweisen.
Pikiert zeigt sich auch die Linken-Landtagsabgeordnete Kerstin Köditz. “Vom wissenschaftlichen Anspruch, dass man immer auch die andere Seite hören möge, war nichts zu hören. Ehemalige Bürgerrechtler haben ausschließlich ihre Sicht der Dinge dargestellt, assistiert von Mitgliedern ehemaliger Blockflötenparteien, deren Rolle offenbar ebenfalls ausgeblendet wurde”, so Köditz. Scharf greift sie Tobias Hollitzer, Chef der Runden Ecke, an, der Gast der Veranstaltung war. “Man muss nicht einmal bösen Willen haben, um aus seinen Worten, dass die Täter in Rumänien erschossen worden seien, ein gewisses Bedauern heraus zu hören, dass das bei uns nicht so war. Dafür mag ihm der Beifall der Anwesenden sicher gewesen sein, einer sachgerechten Aufarbeitung der Komplexe Widerstand, Schuld und Verstrickung dient es sicherlich nicht.” Nach Meinung von Köditz sei es sehr zu wünschen, dass weitere Veranstaltungen zur Thematik organisiert würden, die ein differenzierteres Bild zeichnen. “Wenn wir uns heute darüber freuen, dass die Revolution friedlich geblieben ist, dann sollten wir nicht vergessen, dass dies auch vernünftigen Funktionären der SED zu verdanken ist.” Ihre Rolle zu unterschlagen, sei pure Ideologie und diene nicht der Würdigung des Ereignisses.
Der Geschichtsverein hatte am 30. Oktober zur einer Podiumsdiskussion zum Thema Mauerfall geladen, die zahlreich besucht wurde. Im Podium diskutierten neben Hollitzer das ehemalige Neue-Forum-Mitglied Lutz Otto, Ex-Superintendent Horst Schulze, Stadtchronist Wolfgang Ebert und Ex-OBM Jürgen Schmidt.






