Autonome Nationalisten: Rechtsextreme Randale in Unna nimmt zu (Westfälische Rundschau, 24.11.2009)
Nov 27th, 2009 | Von dermarsl | Kategorie: Abgeschrieben, MedienechoUnna. Die Polizei in Unna rechnet mit einer Zunahme rechter Gewalt im Kreis. Am Freitag hatten Rechtsextreme eine Lesung der Linken-Politikerin Köditz gestört - die Polizei war mit einem Großaufgebot vor Ort. Als Grund der Zunahme vermutet Landrat Makiolla die anstehende Landtagswahl in NRW.
Mit einer deutlichen Zunahme an Randale und Störungen durch die rechtsextremen Szene in Unna rechnet die Polizei. “Wir werden uns mit erhöhter Präsenz darauf einstellen”, kündigt Polizeisprecher Martin Volkmer an. Damit reagiert die Behörde auf den jüngsten Auftritt der “Freien Kameradschaft” vor der Lesung von Kerstin Köditz (Die Linke) in der Lindenbrauerei.
Den Grund für die zunehmenden rechtsextremistischen Aktivitäten nennt der Chef der Kreispolizei, Landrat Michael Makiolla: “Vor der Landtagswahl versuchen diese Gruppen, junge Wähler zu gewinnen. Denn junge Leute sind handlungsorientiert und weniger durch theoretische Papiere zu überzeugen.”
14 Rechtsextreme stören linke Lesung
Wie berichtet, war es Freitagabend im Vorfeld der Lesung zum Großaufgebot der Polizei vor der Brauerei gekommen. Rechtsextreme versuchten die Lesung, veranstaltet von Linken und Antifa, zu stören. Die Polizei leitete gegen jeweils zwei Vertreter des rechten wie des linken Spektrums Ermittlungsverfahren ein. Der Vorwurf: Verstöße gegen das Vermummungsverbot und Bewaffnung — zwei Besucher der Lesung hatten Pfefferspray dabei. Gegen die anderen rechten Störer wurden Platzverweise ausgesprochen. Bei künftigen Veranstaltungen der Partei Die Linke oder der Antifa werde die Polizei bereits vor Beginn erhöhte Präsenz zeigen, sagte Polizeisprecher Volkmer gestern gegenüber unserer Redaktion und gab angesichts der Vermummungen zu Bedenken: “Es muss schon die Frage erlaubt sein, wie es sein kann, dass sich Teilnehmer der Veranstaltung auf Auseinandersetzungen einstellen?” Für die Antifa ist die Antwort klar: “Zur Strategie der Neonazis gehört es, ihre Gegner zu identifizieren und gewalttätig gegen sie vorzugehen.”
Nicht der erste rechte Zwischenfall
Für Brauerei-Hausherrin Regina Ranft war es nicht der erste Zusammenstoß mit der rechten Szene. “Wir verschließen dann die Türen, erteilen Hausverbote. Am Freitag hatte die Polizei die Sache sofort im Griff. Aber es ist schon ein merkwürdiges Gefühl, sich vor solchen Leuten verschanzen zu müssen. Die Übergriffe haben eine neue Qualität bekommen.” Nichtsdestotrotz werde das Kulturzentrum sich nicht einschüchtern lassen und immer wieder Räume an Antifa, die Linken wie auch an alle anderen demokratischen Gruppen vermieten.
Trotz der Häufung rechtsradikaler Randale sieht Landrat Makiolla aber noch keine Dortmunder Verhältnisse auf Unna zukommen. “Unna ist kleiner, die soziale Kontrolle ist größer”, sagt er. Dennoch dürften alle Institutionen, Schulen, Vereine, Kirchen nicht darin nachlassen, Widerstand zu leisten. “Wir dürfen uns nichts vormachen: Die, die dort aufmarschieren, wollen unsere Demokratie abschaffen. Dagegen müssen wir offensiv vorgehen und zeigen, dass wir die Meinungshoheit besitzen.” sza








