Außenpolitik muss Friedenspolitik sein
Sep 1st, 2009 | Von dermarsl | Kategorie: Antifaschismus
Veranstaltung der LINKEN in Colditz zum Weltfriedenstag
Am Donnerstag, den 27. August, führte der Kreisverband der LINKEN.Westsachsen seine traditionelle Veranstaltung zum Antikriegstag am 1. September, dem Jahrestag des Beginns des Zweiten Weltkrieges auf Schloss Colditz durch. Für die diesjährige Veranstaltung konnte die Bundestagsabgeordnete Monika Knoche, stellvertretende Vorsitzende der Linksfraktion, als Hauptrednerin gewonnen werden. Monika Knoche gilt als profilierte Außenpolitikerin. Von 1994 bis 2002 war sie Bundestagsabgeordnete der Grünen, bei denen sie zu der innerparteilichen Minderheit gehörte, die den Kosovo-Krieg kritisierte. Da sie die Zustimmung zum Afghanistan-Krieg nicht mittragen konnte, trat sie 2002 nicht erneut für ihre bisherige Partei an und verließ diese. Knoche stellte am Beispiel Afghanistan anschaulich dar, dass durch die militärische Präsenz ausländischer Truppen in dem Land die dortigen Probleme eher verschlimmert würden. Gefördert würden gleichzeitig die alten Eliten von Stammesfürsten und Kriegsherren bis hin zu Drogenbaronen. Die Bundeswehr verwende konkret einen Löwenanteil der ihr zur Verfügung stehenden Mittel in Afghanistan zur Eigensicherung, könne damit gar nicht den Auftrag des Aufbaus einer demokratischen Gesellschaft erfüllen.
Bei der zuvor stattfindenden Kranzniederlegung an der Ehrentafel für die Insassen des ehemaligen KZs Colditz sprach neben dem Colditzer Stadtrat Peter Lewkowitz auch die Landtagsabgeordnete Kerstin Köditz. Die vollständige Rede finden Sie hier.
Siebzig Jahre sind weniger als ein Menschenleben heute üblicherweise dauert. Siebzig Jahre sind ein Augenblick in der Geschichte der Menschheit. Manchmal dauert es länger als siebzig Jahre, bevor ein Mensch das, was ihm widerfahren ist, endlich vergessen kann. Es sind die Schicksalsschläge, die negativen Ereignisse, an die wir uns besonders lange und intensiv erinnern. Mit dem kollektiven Gedächtnis verhält es sich ebenso. Die Katastrophen bleiben im Gedächtnis haften. Sie wirken weiter auch in den nachfolgenden Generationen.
Der Zweite Weltkrieg ist zweifellos genau ein solches Ereignis. Er begann am 1. September 1939 mit dem deutschen Überfall auf Polen. In den folgenden sechs Jahren blieb fast kein Land vom deutschen Beutezug verschont. Am deutschen Wesen sollte die Welt genesen. Und damit sie genesen konnte, wurde sie zunächst in Chaos gestürzt. Welt sich das menschliche Gedächtnis vor allem an die Widrigkeiten erinnert, ist Schloss Colditz noch heute in Großbritannien für die Mehrzahl der Menschen ein Begriff. Vom Film bis zum Spiel wird dafür gesorgt, dass Colditz nicht vergessen wird. Wir reden von dem Schloss Colditz, dass als Gefangenenlager für alliierte Offiziere diente. Das als ausbruchssicher galt.
Heute, nur siebzig Jahre später, neben die Versuche, die Geschichte umzulügen, zu.
Vor wenigen Wochen war ich Zuschauerin bei einer Verhandlung vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig. Es ging um das Verbot des Trägervereins einer Heimvolkshochschule, des Collegium Humanum e.V., und einer Organisation namens „Bauernhilfe e.V.“. Ein anderer Verein aus diesem Geflecht hat noch immer seine Niederlassung in Borna. Er trägt den harmlos klingenden Namen „Gedächtnisstätte e.V.“ Alle drei arbeiten an der Umdeutung der Geschichte, an der Entlastung Deutschlands von der Kriegsschuld. Sie vertreten die aberwitzige These, den Holocaust habe es nicht gegeben. Das Verbot dieser Vereine ist in Leipzig bestätigt geworden. Aber trotzdem war es erschreckend zu sehen, wie viele Anhänger aus der ganzen Bundesrepublik zur Unterstützung angereist waren. Alte Nazis und ihre jungen Nachahmer.
Es ist nämlich keineswegs so, dass das Gedächtnis von alleine fortwirkt. Es will trainiert werden. Aber man kann auch falsche Erinnerungen in die Gehirne pflanzen. Die Generation derjenigen, die bewusst den Kriegsbeginn miterlebt haben, stirbt allmählich. Die Zeitzeugen stehen dann nicht mehr zur Verfügung. Auch deshalb nehmen die Versuche nicht zuletzt aus den Reihen der NPD, die ab Sonntag hoffentlich nicht mehr im Landtag vertreten sein wird, zu, die Deutschen von der Kriegsschuld zu entschulden. Damit dies nicht gelingen kann und um die Millionen von Opfer des deutschen Angriffskrieges zu ehren, treffen wir uns jedes Jahr zum weltweiten Antikriegstag in Colditz.
Dieses Schloss hat für uns als Mitglieder Und Sympathisierende der LINKEN noch eine zweite wichtige Bedeutung. Es war eines der ersten Konzentrationslager in Sachsen. Die Geschichte dieses KZs hat unsere IG Geschichte erforscht und in einer Broschüre dokumentiert. Hunderte Antifaschisten vor allem aus unserer Region waren hier eingekerkert. Eingekerkert in jener Stadt, die zu den ersten Hochburgen der NSDAP in Sachsen gehörte. Auch diese Tatsache, so möchten nicht wenige Leute, soll aus dem kollektiven Gedächtnis ausgelöscht werden. Wer aber soll daran erinnern, wenn wir es nicht tun? Kaum noch jemand, der damals hier leiden musste, lebt überhaupt noch.
Wir sind es doch, die immer wieder den Zusammenhang herstellen müssen: Erst kommt die Unterdrückung im Innern, die Ausschaltung der Opposition, dann kommt der Krieg nach außen. Das eine war die notwendige Vorbereitung des anderen. Und auch an die Zusammenhang Müssen wir immer wieder erinnern, denn die Zeitzeugen, die das erlebt haben, die gibt es nicht mehr. Sie können uns mit ihrer Erinnerung nicht mehr helfen. Aber ihr Vermächtnis Wird von uns weitergegeben: Nie mehr Faschismus, nie wieder Krieg! Ich verneige mich vor allen jenen, die an diesem Ort leiden mussten. Ich verspreche Euch: Wir werden dafür sorgen, dass Euer Leiden, dass Euer Kampf nicht vergessen wird.






