Am Mitttwoch, den 5. August, wird vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig ein Prozess stattfinden, der auch für unsere Region von Bedeutung ist. Die beiden durch Bundesinnenminister Schäuble im Mai vergangenen Jahres verbotenen Vereine Collegium Humanum e.V. und Bauernhilfe e.V. klagen gegen den Schritt des zuständigen Ministers. Ebenso vom Verbot betroffen war der VRBHV, eine Gruppierung zur Unterstützung der Holocaustleugner. Um ihn geht es am Mittwoch allerdings nicht. Alle drei Vereine sind personell und inhaltlich eng verflochten mit der Gedächtnisstätte Borna, deren Hauptziel darin — locker ausgedrückt — besteht, aus den Deutschen im Zusammenhang mit dem Zweiten Weltkrieg Opfer zu machen.
Antifaschistische Gruppen organisieren aus Anlass des Prozesses eine Kundgebung vor dem Gericht um deutlich zu machen, dass erstens die Verbote durch eine wirksame Zerschlagung nachhaltig gemacht werden müssen und zweitens eine inhaltliche Auseinandersetzung mit den Positionen der Geschichtsfälscher unerlässlich ist. Wir dokumentieren zu diesem Thema ein Interview, das Volkmar Wölk dem Leipziger “Radio Corax” gegeben hat. Sie können es hier hören.

http://www.freie-radios.net/portal/content.php?id=29292

Spannend wird wahrscheinlich vor allem um die Bauernhilfe e.V. werden. Hier ist eine Prozessstrategie zu erwarten, die die Bauernhilfe als harmlose Fortführung des wegen Überalterung aufgelösten Weltbundes zum Schutze des Lebens (WSL), einer ökologischen Organisation der extremen Rechten, darstellen soll.
Hierbei handelt es sich natürlich um einen Etikettenschwindel. Zwar wurde diese kleine Organisation durch Ursula Haverbeck-Wetzel ins Leben gerufen, die auch lange Zeit als Präsidentin an der Spitze des WSL gestanden hatte, doch wurde bereits 2004, zum Zeitpunkt der faktischen Umgründung der Bauernhilfe, intensiv das Verbot des Collegium Humanum gefordert. Die Bauernhilfe war offenkundig als Auffangorganisation gedacht um das Vermögen des Collegium Humanum zu sichern. Mit dem Verbot ist dieser Versuch gescheitert.
Mir liegt das Protokoll der fraglichen Mitgliederversammlung vom 20. Juni 2004 in Vlotho vor. Aus der ursprünglichen Mitgliedschaft der Gruppe waren lediglich Haverbeck-Wetzel und der ehemalige Versandhändler für biologischen Gartenbaubedarf Ernst-Otto Cohrs, ebenfalls ein langjähriges Führungsmitglied des WSL und Geschichtsrevisionist, anwesend. Die beiden weiteren Gründungsmitglieder, Dr. Leonore Prym von Becherer, Anthroposophin und Mitbegründerin des Collegium Humanum, und Dr. Erich Siefert, mehrfach Seminarleiter dort, waren aus Altersgründen nicht anwesend. Zu Jan von Ledebur vom Demeter-Bund, einer Gruppierung des anthroposophischen ökologischen Landbaus, hatte man den Kontakt schon längere Zeit verloren.
Insofern kommt den vierzehn Gästen der Versammlung eine besondere Bedeutung zu, denn sie alle wurden bei dieser Gelegenheit Mitglieder und teilweise sofort in Funktionen gewählt. Wolfram Bednarski gehörte zur Führungsgruppe der Unabhängigen Ökologen Deutschlands, einer Rechtsabspaltung der kleinen ÖDP. Deren niedersächsischer Landesvorsitzender war Bednarski in den achtziger Jahren. Von dort wechselte er zu den REPublikanern, bei denen er es zum stellvertretenden Landesvorsitzender brachte. Auf einen ähnlichen Werdegang kann der Jürgen Wirtz verweisen. Beide gemeinsam sind dem Collegium Humanum durch Seminare verbunden, die sie dort geleitet haben.
Noch deutlicher, wenn überhaupt möglich, werden die Verflechtungen mit der extremen Rechten durch die Gäste Imke Barnstedt, Klaus Kaping, Karl-Heinz Steffens, Horst Mahler und Bernhard Schaub. Die Schauspielerin Barnstedt gehört zum Kreis der so genannten Reichsbürgerbewegung im Horst Mahler. Dieser sitzt gegenwärtig wegen seiner offenen NS-Verherrlichung und seines virulenten Antisemitismus erneut für längere Zeit in Haft. Auch Kaping gehört zum Spektrum der Holocaustleugner. An der Spitze des ebenfalls verbotenen VRBHV stand der Schweizer Bernhard Schaub, ein ehemaliger Waldorf-Lehrer. Heute führt er monatlich Schulungen für die Aktivisten des neonazistischen “Freien Netzes” in der “Gedächtnisstätte” in Borna durch.
Regelmäßige Gäste im Collegium Humanum war das Ehepaar Dr. Thomas und Rosemarie Meissner. Er ist anthroposophischer Arzt. Sie wurde zur Stellvertreterin der Vorsitzenden Ursula Haverbeck-Wetzel gewählt. Dass es vor allem um finanzielle Aspekte bei dieser Wiederbelebung eines eigentlich schon toten Vereins ging, zeigt der handliche Entwurf Ursula Haverbecks für ihr Testament, der mit zugespielt wurde. Die beiden Vereine Collegium Humanum und Bauernhilfe sollten demnach “verfügungsberechtigte Sachwalter” ihres Erbes sein. Als eigentlicher Nutznießer wird das “Deutsche Reich” bezeichnet und vorsichtshalber zur Klarstellung ergänzt: “Das ist nicht die Bundesrepublik”.
Es ist also zu hoffen, dass das Bundesverwaltungsgericht sich dieser zu erwartenden Prozessstrategie verschließt. Alles andere wäre ein Schlag ins Gesicht derer, die gegen die Holocaustleugner kämpfen und für die historische Wahrheit eintreten.


Comments are closed.