Der Quergeist: „Sie predigten Wasser und tranken Wein.“
Jul 3rd, 2009 | Von admin | Kategorie: Meine MeinungDieser Ausspruch, der in dem Buch aller Bücher zu finden ist, macht sich unsere Gesellschaft immer mehr zu Gebrauch. Jetzt, kurz vor den Wahlen, hat er wieder Hochkonjunktur – der Bürger rückt für kapp ein halbes Jahr vermeintlich in den Mittelpunkt. Ja, man versucht tatsächlich dafür zu sorgen, dass wir glauben, es würde sich jemand ernsthaft für uns interessieren.
Als ich die Sendung von Peter Klöppel „Bürger fragen – Kanzlerin Angela Merkel antwortet“, sah, stellte ich mir zwischendurch die Frage: „Was sehe ich da? Ist es eine politische Sendung oder mimt irgendein Comedian die Figur Angela Merkel und macht sich so lustig?“ Es war seltsam, dass bei solch einem ernsten Thema soviel Heiterkeit in mir aufkam. Unter anderem fragte eine 37-jährige alleinerziehende Mutter von drei Kindern (19, 11 und 6 Jahre) unsere Kanzlerin, wie sie ihren Kindern vermitteln solle, dass diese in der Zukunft eine Chance auf ein gutes Leben hätten? Statt eine beruhigende Antwort zu geben, klopfte unsere Kanzlerin zuerst bewusst ab, wie das soziale Umfeld der Fragenden gestrickt war. Es wurde dadurch offensichtlich, dass diese Frau ihr erstes Kind sehr zeitig bekam, und somit ging die erste Schublade auf. Als zweites wurde nach dem Vater gefragt, weil sie in ihrer Schilderung erwähnte, dass sie sehr wenig Geld zur Verfügung hatte. Die Schlussfolgerung von Frau Merkels darauf war ihr deutlich ins Gesicht geschrieben, und schon ging die zweite Schublade auf. Als nächstes kamen allgemeine Floskeln, die benutzt werden, wenn man nichts ausdrücken will. Das Ende von dem Statement von Frau Merkel war, das sie der Mutter empfahl, arbeiten zu gehen. Ich musste mir den Bauch halten vor Lachen. Unsere Bundeskanzlerin hatte sehr viel Feingefühl und Tiefgang bewiesen. Die Frau war sichtlich zufrieden mit der Antwort, denn ihre Tränen standen kurz vor dem Ausbruch. Nicht das unsere Bundeskanzlerin bei dieser Frage das Thema verfehlt hatte, sie konnte mit ihrem nicht vorhandenen Taktgefühl diese Frau auch noch zu Tränen rühren.
Aber das war nicht der einzige gute Vorschlag in dieser Sendung. Ein Mann fragte: „Wie könnte man die Steuern senken und den Haushalt halbwegs ausgeglichen halten?“ Na das nannte ich mal eine interessante Frage. Die Antwort, die unsere Bundeskanzlerin gab, war, dass wir Wachstum brauchen und Wachstum kann nur kommen, wenn wir motiviert sind. Na ja, grundsätzlich ist da ja nichts einzuwenden. Aber wo ist denn die Motivation? Haben Sie sich schon mal von einem Politiker motiviert gefühlt? Unsere Politiker haben in der Öffentlichkeit ein Temperament, da schläft man beim zuhören ein. Ja, wenn ein einen Opel Mitarbeiter sagt: „Wir stehen hinter Euch.“ – da wird er es auch glauben. Das kommt mit soviel Überzeugung rüber, da bekommt man Gänsehaut – vor Müdigkeit. Die Frage, die ich mir bei dieser Aussage stelle, ist, was will Frank Walter Steinmeier hinter den Mitarbeitern? Hat er nicht vor ihnen zu stehen?
Wenn ein SPD-Mann so zu seinem Worte steht, wie sie mit ihren eigenen Mitgliedern umgehen, na dann gute Nacht. In letzter Zeit wurden doch SPD-Parteimitglieder fallen gelassen, die nur ein wenig von der Parteilinie abgewichen sind. Ist es nicht eine Schande, dass man Gesine Schwan so behandelt, nur weil sie ihre Meinung sagt. Die SPD leidet am Buckelsyndrom. Wir geben etwas von uns und schauen mal was die CDU oder FDP von sich gibt. Geben sie ihre Zustimmung, ist alles in Ordnung, wenn nicht, werden die eigenen Leute eliminiert. Da nützt das Wahlplakat mit dem Fön gegen die Linken nichts. Denn bei der SPD kommt nicht mal mehr heiße Luft.
Bei dem, was die CDU uns jetzt verspricht, wissen wir nicht, ob es wahr ist. Angela Merkel sagt deutlich „keine Steuererhöhung mehr“. Erinnern wir uns. Diese Aussage hatten wir doch schon mal, vor der letzten Wahl? – auf keinen Fall sollte die Mehrwertsteuer erhöht werden. Na ja, mal so drei Prozent, ist ja nicht viel. Der Bürger wird das schon nicht so sehr merken. Was sind schon drei Prozent? Gespannt können wir sein, ob wir die Mehrwertsteuer wieder senken, so wie die CDU es jetzt versprochen hat. Erwarten wir mal nicht so viel, denn versprochen hat sich schon so mancher. Na und die FDP hat Herrn Westerwelle wieder gewählt, mit 96% der Stimmer. Wenn das zu Zeiten der ehemaligen DDR gewesen wäre, hu, da hätte man sofort Ungereimtheiten unterstellt. Das geht doch nicht mit rechten Dingen zu. So ändern sich die Zeiten. Heute ist das ein Spitzenergebnis und es wird gefeiert, dass man so einen tollen Mann an der Spitze hat. Welche Pläne hat Herr Westerwelle eigentlich, außer in die Regierung zu kommen? Von seinen Vorhaben ist zur Zeit nicht viel zu spüren. Und die CSU mit Herrn Seehofer – was die uns nicht alles erzählen, nur damit die CSU sich bundesweit etablieren kann. Was aber hat denn Herr Seehofer vor? Ich habe schon den Eindruck, dass er seine CSU neben der CDU etablieren will. Es wäre nicht mehr Horst Seehofer, wenn das nicht das geringste ist, was er will. Nicht mehr CDU/CSU, nein CSU ganz stark für sich allein.
Und die Linken? In dem Gewusel von Machtgier? Was hat Oskar Lafontaine vor? Ich frage mich, ob sein Herz so rein und sozial ist, wie er tut. Oder will er es allen beweisen, dass er es immer noch kann, sich in den Mittelpunkt zu stellen?
So gleitet man jeden Tag durch die politische Welt und stellt fest, dass es um alles geht, nur nicht um das Volk und deren Demokratie.
Aber nun haben wir ja einen Armutsatlas. Nun kann der Bürger, der eh schon weiß, das er nichts hat, farblich nachschauen, ob es wirklich so ist und sich beruhigt zurück lehnen, denn er sieht auch, das er ja nicht alleine ist. Es ist doch toll, dass man sich darüber die Sicherheit holen kann, ob man orange oder dunkelrot abgebildet wurde. Wen würde das nicht befriedigen? Vor allem, wen würde das nicht interessieren? Ja es hat schon mein Leben bereichert. Am besten ist natürlich, dass man die Definition von Armut den Betroffenen gleich noch tief in das Unterbewusstsein drückt, weil so ein Bild sich besser einprägt als eine Zahlenstatistik. Und wer bis dahin der Meinung war, noch nicht zu den Armen zu gehören, obwohl es bei ihm auch nicht so üppig aussieht, wird eines bessern belehrt, denn die Grenze der Berechnung beginnt schon ein Stückchen Oberhalb von Hatz IV. Ja, es ist schon beunruhigend, wie man das den Menschen psychologisch vermittelt und sie damit in die Abhängigkeit bringt. Ich erinnere an das Gespräch von Frau Merkel am Anfang. Ist das unsere Motivation für das Wachstum?
Dann ist noch eine neue Sache von unseren Ärzten. Sicher haben Sie den Namen Jörg Dietrich Hoppe schon gehört. Was ist das aber für ein Mann? Welcher Partei wird er wohl angehören? Ärzte haben ein zu geringes Honorar, so eine Aussage von ihm. Ich möchte diese Aussage nicht als richtig oder falsch bewerten. Es liegt immer im Empfinden des Einzelnen. Wenn man Hartz IV Empfängern auf der einen Seite vorwirft, das sie auf hohen Niveau jammern, dann frage ich mich, auf welchem Niveau jammern dann Ärzte? Was ist daran anders? Sicherlich: sie gehen arbeiten, leisten etwas. Mir geht es nicht darum zu sagen, ob Ärzte etwas leisten, es geht darum, dass sie diesen Job aus einem freien Willen wählten – man sollte zumindest davon ausgehen. Und zu recht sollen sie, wie jeder andere auch, für ihre Arbeit anständig entlohnt werden. Aber was gibt ihnen das Recht, sich über andere zu stellen und zu sagen, ihre Tätigkeit sei die Bessere, die besonders entlohnt werden müsste? Dieses Recht hat keiner. Nicht eine Arbeit ist besser oder schlechter, zumindest nicht so, dass man es von einem anderen nehmen muss, der vielleicht am unteren Ende des Existenzminimums lebt.
Mit immer mehr Forderungen nach höheren Honoraren sind genau die am stärksten betroffen, die es nicht so in den Brieftaschen haben. Wir drehen uns im Kreise und langsam wird es uns schwindlig. Menschen, bei denen es im Leben nicht stimmig ist, aus welchen Gründen auch immer, ob Arbeitslosigkeit, geringverdienend, ein Job, der keinen Spaßmacht, usw., genau diese Menschen werden vermehrt krank und gehen zum Arzt. Denn sie fahren im Kreisverkehr und wissen oft nicht, welche Ausfahrt sie nehmen sollen. Depressionen sind die Folge. Und dann haben sie keinen oder nur einen geringen Verdienst und in Gegensatz dazu ein Gesundheitssystem, was immer mehr von ihnen abverlangt. Ja, Ja. Wir fressen uns gegenseitig auf. Und das im Jahre 2009.
Unser gesellschaftliches System ist so aufgebaut, das man dem Einzelnen lehrt, wie er nicht mehr lebt, sondern sich nur noch auf einen Level der Leistungsfähigkeit hält. Spaß, Freude, Lachen, nichts tun sind so selten geworden, weil es uns immer mehr abtrainiert wird. Die, die es sich leisten können, weil sie ohne Unterlass arbeiten, haben oft gefährliche Freizeitbeschäftigungen, damit sie überhaupt noch spüren können, dass sie leben. Und viele von denen, die es sich nicht leisten können, sitzen den halben Tag vor Computer und Fernsehen und lassen sich unterhalten. Unterhaltung hat denselben Wortstamm wie unten halten – welch ein Zufall!
Die, die noch Bücher lesen, sich unterhalten, mal etwas tun, weil sie es vom Herzen wollen, die findet man noch selten. Man spürt sie gar nicht. Doch das sind genau die Menschen, die eine ganze Gesellschaft aus ihrem Phlegma helfen können. Die Menschen, die wissen, was sie im Leben wollen, sich in keine Schublade pressen lassen, weil es ihnen vermeintlich finanziell besser gehen würde. Menschen, die jeden Tag daran arbeiten ihre Persönlichkeit aus sich heraus zuholen. Menschen die Dinge tun, weil ihre Seele sagt, es muss so sein. Menschen, die ihre Grenzen kennen und dennoch jeden Tag über sie hinweg treten. Menschen, die fühlen, dass es wichtig ist, ein ganz individuelles Leben zu leben, fern vom vorgeschriebenen Einheitsbrei der Gesellschaft. Menschen, die bewusst andere Wege gehen, als allgemein üblich. Menschen, die bewusst die Welt mit ihren Gedanken und Gefühlen bunt und interessant machen. Menschen, die sich bewusst durch keine Schablone pressen lassen. Menschen, die sich bewusst sind, dass sie leben und dieses Leben mit all seinen Facetten leben. Einfach Leben um des Lebens willen. Genau dieser Lebenswille, das ist mehr als nur der Wille zu existieren, seinen Körper zu ernähren das er noch Leistung erbringen kann. Lebenswille ist, sich zu entfalten, so wie es das eigene Herz wünscht. Wo nicht bewertet wird, ob es richtig oder falsch ist. Man tut es, weil die Seele danach verlangt und das ist das Höchste, was wir erreichen können und wollen. Die innere Zufriedenheit, alles getan zu haben, was uns im Herzen glücklich macht. Das ist eine Sache, die können wir nicht in einer Kostenrechnung zusammenrechnen. Das Herz und das Gefühl und in der Summe das Leben, finden wir alle in keiner Bilanz. Das finden wir nur in uns selber. Prüfen wir also was, uns glücklich macht, und dann tun wir es auch. Fragen sie niemals einen anderen, ob sie es dürfen. Das ist das einzige Recht, was sie wirklich haben und das von Geburt an. Haben wir den Mut zu Leben. Gerade in den Zeiten der Wahlen predigen unsere Politiker viel Wasser und trinken selber noch mehr Wein. Das Volk soll sparen, soll auf sein Leben verzichten. Aber die Wirtschaft und Politik lassen es sich, wie Maden im Speck, gut gehen.
Beginnen Sie heute mit Ihrem eigenen Leben und glauben Sie nicht mehr alles, was Ihnen erzählt wird. Haben Sie den Mut zum eigenen Risiko, spüren Sie Ihr Herz, wie es vor Aufregung schlägt, weil dann spüren Sie, dass Sie leben.
Am Ende unseres Lebens soll auf unseren Grabsteinen stehen „ Gelebt von bis“ und nicht „Daneben gestanden von bis“
In diesem Sinne: Leben Sie mal wieder!
Ihre Danielle Wünschmann
www.dieanders-denker.de






