Kirchenasyl: Köditz (LINKE) fordert „Schutz statt Schikane“

Jun 25th, 2009 | Von admin | Kategorie: Allgemein

„Wie groß muss die Verzweiflung von Menschen wohl sein“, fragt die Grimmaer Landtagsabgeordnete Kerstin Köditz nach einem Besuch am Donnerstag bei den vier Flüchtlingsfamilien in der Frauenkirche, „wenn das unwirtliche Quartier in einer Kirche der Unterbringung im Heim in Bahren vorgezogen wird? Wie groß muss die Verzweiflung sein, wenn Kinder und eine hochschwangere Frau dem ausgesetzt werden?“ Sie sei der Kirchengemeinde für diesen Akt der Nächstenliebe dankbar, habe jedoch keinerlei Verständnis für das bürokratische Verhalten des Landkreises. Es seien immer wieder unwürdige Zustände in den Flüchtlingsunterkünften des Kreises beklagt worden. Für Abhilfe sei, wenn überhaupt, nur sehr zögerlich gesorgt worden. „Ich halte es jedenfalls nicht für pädagogisch wertvoll, wenn Kinder mit Kakerlaken spielen“, kommentiert sie bitter.
Die Sächsische Ausländerbeauftragte führt in ihrem Bericht für das Jahr 2008 aus, dass Familien Asylsuchender „häufig in Privatwohnungen“ lebten. Rund ein Drittel der in Sachsen lebenden Flüchtlinge sei inzwischen dezentral untergebracht. In einigen Landkreisen liege die Quote bei über 50 Prozent. „Angesichts anhaltend deutlich sinkender Flüchtlingszahlen“, meint Köditz, „ist es unverständlich, dass die von den in der Frauenkirche Schutzsuchenden geforderte Unterbringung in Wohnungen nicht längst der Regelfall ist. Der Kostendruck kann jedenfalls kein Grund zum Festhalten an der jetzigen Regelung sein.“
Sie habe immer wieder Klagen über die rigide Vorgehensweise des Ausländeramtes im Kreis zu hören bekommen. „Es kann doch nicht angehen, dass sich das Amt gegenüber Menschen, die hier Schutz vor Verfolgung suchen, nach Herrenmenschenart aufführt“, kommentiert Kerstin Köditz, die für DIE LINKE auch Kreisrätin ist. „Es gibt eine ganze Reihe an Fragen sowohl zu den Zuständen in den Flüchtlingsunterkünften des Kreises als auch zum Verhalten des Ausländeramtes.“ Die Linksfraktion werde diese im Kreistag stellen und sich nicht mit Ausflüchten zufrieden geben. „Vielleicht erfolgen ja aber schnelle Änderungen, wenn die Führung des Amtes unter den gegenwärtigen Bedingungen selbst einige Tage in einer der Asylunterkünfte des Kreises zubringt“, meint Köditz. Sie könne nur hoffen, dass möglichst viele Menschen ihre Solidarität direkt in der Frauenkirche zum Ausdruck bringen und konkrete Hilfe leisten.


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