Fahnen vieler Nationen machen Gedenkmarsch bunter (LVZ Muldental, 04.05.2009)

Mai 4th, 2009 | Von | Kategorie: Medienecho

Teilnehmer erinnern an Todesmärsche der Nazis / Peter Sodann zum dritten Mal Schirmherr

Wurzen. Ohne Zwischenfälle und Störungen endete gestern Nachmittag in Wurzen der zehnte Gedenkmarsch für die Opfer der Todesmärsche. Knapp 100 Teilnehmer versammelten sich auf dem Friedhof zu einer Abschlusszeremonie. Daran nahm auch der Schauspieler Peter Sodann teil, der zum dritten Mal als Schirmherr der Veranstaltung beteiligt war.
Mit dem Gedenkmarsch, zu dem die Initiativgruppe Gedenkmarsch beim Netzwerk für Demokratische Kultur Jahr für Jahr aufruft, wird an die Opfer der Todesmärsche gedacht. Die SS und die Gestapo räumten 1945 in den letzten Kriegstagen Konzentrationslager, Zwangsarbeitslager und Haftlager und trieben die Häftlinge auf langen Märschen auch durch das Muldental. Viele starben vor Hunger oder Durst, an den Strapazen oder sie wurden von den Wachen erschossen und oft am Straßenrand liegen gelassen.
Der Zug hatte am Morgen in Borsdorf begonnen, wo der erste Beigeordnete des Landratsamtes Klaus-Jürgen Linke zu den Teilnehmern sprach. Weitere Stationen waren Gerichshain, Machern, Deuben und Bennewitz. In Deuben stießen etwa 50 Teilnehmer eines Leipziger Gedenkmarsches zu dem Zug, den der Verein der Verfolgten des Naziregimes und der Bund der Antifaschisten in der Messestadt veranstaltet hatten. Auf diese Weise wurde der Muldentaler Gedenkmarsch bunter als sonst, denn die Leipziger trugen Fahnen der Länder mit sich, aus denen die Häftlinge kamen. Sie hatten in ihrem Gefolge mit Esther Bejarano auch eine Überlebende des Konzentrationslagers Auschwitz und eines in Ravensbrück gestarteten Todesmarsches.
In Wurzen musste Erwin Bruse von der Initiativgruppe eine Änderung des Protokolls verkünden. Erstmals hatte mit Hans-Jörg Röglin ein Oberbürgermeister der Ringelnatzstadt zu den Teilnehmern des Gedenkmarsches sprechen wollen. Doch Röglin liegt seit Freitagabend verletzt im Krankenhaus. An seiner Stelle sprach die Grimmaer Landtagsabgeordnete Kerstin Köditz zu den Versammelten. Sie machte die „Zuständigen in Verwaltung und Politik“ dafür verantwortlich, dass Nazis sich derzeit stark wähnen können. „Nazis in den Parlamenten und auf der Straße keine Chance geben, das ist unsere Aufgabe“, rief sie den Versammelten zu. Zuvor hatte Erwin Bruse gesagt, gerade weil Rechte in die Parlamente drängen, sei es wichtig, „dass wir immer wieder auf die schlimme Stelle zeigen, damit dass Geschehene nicht in Vergessenheit gerät.“
André Neumann

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