Grimma: “Der Erwerbslosentreff muss erhalten bleiben!”
Apr 13th, 2009 | Von admin | Kategorie: Landkreis LeipzigMit einem Hilfeschrei haben sich die drei Frauen an die Öffentlichkeit gewandt, die bisher ehrenamtlich oder mit einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme den Grimmaer Erwerbslosentreff zu einem Anlaufpunkt für Menschen ohne bezahlte Arbeit gemacht hatten, die Rat, Hilfe oder einfach nur das Gespräch gesucht hatten. Der bisherige Träger der Einrichtung, der Arbeitslosenverband Sachsen, ist insolvent. Die Konsequenz: Die Einrichtung hat zum 27. März geschlossen; die bisher rund 100 Personen, die monatlich gekommen sind, haben keinen Anlaufpunkt mehr.
“Keine Reaktion von den demokratischen Kreistagsfraktionen oder vom Landkreis, dafür viel spontane Unterstützung durch Grimmas Bürgermeister Matthias Berger und aktive Mitarbeit durch engagierte Bürger aus dem Kreisgebiet”, so das Resumee des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) bezüglich der Reaktionen auf den Hilferuf nach der Schließung des Erwerbslosentreffs in Grimma. “Es gibt bisher lediglich ein Gesprächsangebot des Landrates, aber keinerlei konkrete Zusagen”, erläutert der stellvertretende DGB-Kreisvorsitzende, der in der Fragestunde des Kreistages das Problem auch zum Thema für den Landrat und die demokratischen Fraktionen gemacht hatte.
Trotz der bisher ausgebliebenen Unterstützung durch die öffentliche Hand, ist inzwischen eine Lösung gefunden worden konnte, auf die es aufzubauen gilt. Künftig wird es einen Anlaufpunkt für Erwerbslose jeden Dienstag ab 10 Uhr in der “Alten Feuerwache” am Nicolaiplatz in Grimma geben. Die drei bisher über ABM beschäftigten beziehungsweise ehrenamtlich tätigen Frauen sind bereit ihre bisherige Arbeit fortzuführen. “Es ist nunmehr vordringlich, die Einsatzbereitschaft für die Erwerbslosen auf finanziell gesicherte Beine zu stellen”, so die Gewerkschaft. “Auch wenn die Stadt dankenswerterweise die Räume unentgeltlich zur Verfügung stellt, sind trotzdem zahlreiche Kosten zu stemmen und manche Probleme ungelöst.” Man wolle deshalb einen “Förderverein Erwerbslosentreff” gründen, damit regelmäßige Einnahmen vorhanden sind. Interessierte an der Mitarbeit an einem solchen Verein oder solche, die ihn unterstützen wollen, sind beim Erwerbslosentreff in der “Alten Feuerwache” stets willkommen.
Ich begrüße es, wenn Menschen ein soziales Anliegen auch dann nicht einfach aufgeben, selbst wenn es scheinbar aussichtslos erscheint. Natürlich kann mit einem Erwerbslosentreff das Problem Arbeitslosigkeit nicht gelöst werden. Im Gegenteil ist zu befürchten, dass gerade in Zeiten der Wirtschaftskrise die Arbeitslosigkeit weiter steigen wird. Die Zahl der Ausgegrenzten wird wachsen. Wenn es staatliche Konjunkturprogramme für die Wirtschaft gibt, dann muss es erst recht Hilfsangebote für die Opfer dieses Wirtschaftssystems geben. Gerechtigkeit und Kapitalismus: das passt nicht zusammen.
Natürlich werde ich das Anliegen jener Ehrenamtlichen unterstützen, die einen neuen Erwerbslosentreff auf neuer Grundlage schaffen wollen. Ich selbst werde Mitglied in dem Förderverein werden. Und als Kreisrätin werde ich in meiner Fraktion darauf dringen, dass wir einen Antrag zur finanziellen Förderung dieser Initiative durch den Landkreis im Kreistag einbringen. Und natürlich werde ich auch bei den anderen demokratischen Fraktionen dafür werben. Das ist Ehrensache für ein Mitglied der LINKEN — und für ein Gewerkschaftsmitglied, denn selbstverständlich bin auch ich Mitglied der Gewerkschaft ver.di. Und daneben rufe ich alle auf: Werden Sie Mitglied im “Förderverein Erwerbslosentreff! Unterstützen Sie die Aktiven durch Sachspenden! Arbeiten Sie, wenn möglich, selbst mit, denn jede Hand und jeder Kopf werden gebraucht! Wenn Sie erst einmal schauen wollen: jeden Dienstag ab 10 Uhr ist Erwerbslosentreff in der “Alten Feuerwache” in Grimma.






