Gemeinschaftsschule: Kritik nach Absage (LVZ Muldental, 06.04.2009)
Apr 6th, 2009 | Von admin | Kategorie: MedienechoVertreter von Linken, SPD und Grünen finden staatliche Eingriffe in Colditzer Planung falsch
Muldental/Dresden ™. Auf Kritik ist bei hiesigen Politikern die ministerielle Absage an Colditzer Pläne für eine Gesamtschule gestoßen. Wie berichtet, hatte das Kultusministerium den Colditzer Antrag für diesen Schulversuch abgelehnt. SPD-Kreisvorsitzender Klaus-Dieter Tschiche sagte, er sei “erschrocken und entsetzt über den restriktiven Kurs des CDU-geführten Kultusministeriums”. Die Begründung, die Sicherheit der Colditzer Mittelschule sei nicht gewährleistet, überzeuge ihn nicht: “Wann wird es sich endlich herumgesprochen haben, dass eine drastische Schulschließungspolitik eine höchst unzulängliche Antwort auf demografische Entwicklungen ist”, fragt Tschiche.
Vor Jahren seien mit ähnlichen Argumenten die Gymnasien in Geithain, Colditz und Bad Lausick geschlossen worden, “was sicher auch für den jetzigen nicht mehr zu bewältigenden Schülerstrom nach Grimma verantwortlich ist”, so der SPD-Chef: “Soll Ähnliches jetzt vielleicht auch für die Schulform Mittelschule geschehen?” Schulen seien keine Lehranstalten, sondern gehörten zum kulturellen und auch wirtschaftlichen Lebensnerv einer Kommune, argumentierte Tschiche. Da dürften Entscheidungen “nicht ausschließlich mit dem Taschenrechner getroffen werden”. Die Stadt Colditz ohne Gymnasium und ohne Mittelschule sei “eine Horrorvorstellung”.
Für die neuen fünften Klassen in der Colditzer Mittelschule hatte es zuletzt nur 33 und für Bad Lausick nur 35 Anmeldungen gegeben (die LVZ berichtete). 40 gelten als Minimum für die Bildung von zwei Klassen pro Jahrgang. Aus Sicht der Grimmaer Linken-Landtagsabgeordneten Kerstin Köditz dürfte das im Wahljahr wohl nicht zu sogenannten Mitwirkungsentzügen führen, also dazu, dass der Freistaat Lehrer abzieht. Dennoch verschärften sich die Probleme im Süden des Muldentals, nachdem in den Orten schon vor geraumer Zeit die Gymnasien geschlossen wurden. Jetzt würden “die negativen Auswirkungen einer langjährig verfehlten Schulpolitik des Freistaates” immer stärker spürbar. “Auf der einen Seite werden Schulen geschlossen und damit Eltern und Schüler der betroffenen Orte massiv benachteiligt. Auch die Attraktivität der betroffenen Kommunen leidet unter dieser Maßnahme. Auf der anderen Seite platzen Schulen wie das Gymnasium Grimma aus allen Nähten.”
Die Landtagsfraktion der sächsischen Bündnisgrünen kritisierte nach der Ablehnung des Gemeinschaftsschulversuchs, offenbar habe das Kultusministerium “Angst vor dem Erfolg des Modells — vor allem im ländlichen Raum”, so die bildungspolitische Sprecherin der Fraktion Astrid Günther-Schmidt. “Die Kriterien, die das Kultusministerium anlegt, sind offenbar sehr unterschiedlich und wenig transparent.” Das Projekt der Gemeinschaftsschule finde mittlerweile parteiübergreifend auf Schulträger-Ebene Befürworter. Die stabilen Anmeldezahlen in bestehenden Gemeinschaftsschulen wie in Geithain zeigten zudem, “dass die Menschen mit den Füßen abstimmen, wo sie die Möglichkeit dazu haben”.






