Freiheit, die ich meine
Apr 13th, 2009 | Von admin | Kategorie: Allgemein“Linke Theorie im BürgerInnenbüro” zum Thema “Freiheit”
Am Mittwoch, den 15. April, findet ab 19 Uhr im BürgerInnenbüro in der Malzhausgasse 6a die nächste Veranstaltung der Reihe zu linker Theorie statt. Diesmal steht der Begriff der “Freiheit” im Mittelpunkt der Diskussion.
Was jeweils unter Freiheit verstanden wird, ist recht unterschiedlich und hängt in der Regel auch vom politischen Standort ab. Ausgerechnet jene, die keine einzige Zeile von Rosa Luxemburg gelesen haben, zitieren gerne ihren Ausspruch von der Freiheit, die immer die Freiheit des Andersdenkenden ist. “Doch was denken die anderen? Und wie frei sind ihre Gedanken?”, fragt Luxemburg allerdings weiter. Notwendige Fragen, wenn man “Freiheit” definieren will. Wieder andere werden gerade in diesem Jahr immer wieder betonen, dass wir nach “den zwei deutschen Diktaturen” jetzt endlich in Freiheit leben. Bitter werden andere entgegnen, dass bei uns jeder die Freiheit habe unter einer Brücke zu schlafen.
Uns geht es an diesem Abend um marxistische Definitionsversuche des Begriffs “Freiheit”. Welche Freiheit wollen wir als Linke erreichen? Wie sieht der Weg dorthin aus? Als vorbereitenden Text dazu ziehen wir den Lexikonartikel aus dem Historisch-kritischen Wörterbuch des Marxismus, Bd. 4: Fabel bis Gegenmacht, hrsg. v. Wolfgang Fritz Haug, Hamburg: Argument, 1999 heran.
Freiheit
A: al-t!urriya.- E: free~loiiil.i berry.- F: l i h e r i i .
K: cvoboda. -S: lihciiad. – C: fiyuii I!
>F< hat die verschiedensten Interpretationen gefunden; gleichzeitig ist der Begriff einer der am meisten missbrauchten Gemeinplätze. Seine bloße Erwähnung ist ein politisch wirksames Mittel, um jede “kollektivistische”, “kommunistische” und selbst “kommunitaristische” Position zu verurteilen. In diesem Rahmen ist der Gebrauch des Begriffs wesentlich ideologisch. Er normiert >F< als universell gültiges Ideal privat-individueller Unabhängigkeit und Autonomie. Dabei bleibt der jeweilige soziale, kulturelle und politische Kontext außer acht, der ein freies Leben ermöglicht oder verhindert.
Im ML war beinahe das Gegenteil der Fall: Theoretisch verwies man – in Kritik des liberalen Konzepts, das F zu einem Privileg der herrschenden Klassen macht – auf den Charakter der F und auf die Notwendigkeit, die persönliche F als aktive und bewusste Teilnahme an der gesellschaftlichen Entwicklung zu verstehen, praktisch beschnitt man die Potenziale kollektiver Selbstbestimmung. Doch blieb das Thema ein Gegenstand
der Auseinandersetzung, die politisch vor allein 1956 mit dem 20. Parteitag der KPdSU zu Tage trat. Von besonderer Bedeutung für die deutschsprachige Diskussion war der Kongress der AdW der DDR….
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