Der Quergeist: Haben wir einen freien Willen?

Apr 24th, 2009 | Von | Kategorie: Meine Meinung

Diese Frage ist in einer Gesprächsrunde mal aufgeworfen worden. Es erstaunte mich, dass in dieser Runde keiner der Ansicht war, dass der Mensch in der heutigen Zeit noch einen freien Willen hat. Hmm… Warum? Die Grundansicht war, dass man sein Leben nur so weit selbst bestimmen könne, bis das System, in dem wir leben, zuschlägt. Ich muss zugeben, dass es schwierig war, immer wieder plausible Argumente zu finden, um meine Position verständlich darzustellen.
Aber ich möchte mich hier und jetzt dieser Frage stellen und darstellen, dass jeder zu jeder Zeit seinen freien Willen lebt. Lassen Sie sich ein auf eine Reise in den tiefen Glauben des Menschen ein!
Henry Ford sagte mal: „Ob du glaubst, du kannst oder ob du glaubst, du kannst nicht…, du hast Recht!“
Genau dort liegt der Hund begraben. Es geht immer darum, ob ich mir die Dinge zutraue, den Mut dazu habe.
Jeder erinnert sich an die Situation, als er vor der Frage stand „Welchen Beruf lerne ich?“ Wenn es gut lief, wusste man genau – von sich aus – was man lernen will. Dann tut man es und wird im besten Fall sein Leben lang glücklich sein damit.
Dann gibt es die Unentschlossenen, die überhaupt keine Vorstellung haben und diejenigen, die es von den Eltern aufdiktiert bekommen. In diesen drei Fällen ist alles gleich, auch wenn es auf dem ersten Blick nicht so scheint. Die Person hat sich immer dafür entschieden. Egal wie die Entscheidung auch aussah. Es war der freie Wille der Person, den Beruf bewusst zu lernen. Es war der freie Wille, sich nicht entscheiden zu können und es war auch der freie Wille, den Eltern nachzugeben. Es mag für manchen unverständlich sein, aber in all den Fällen hat die betroffene Person sein/ihr Okay gegeben. Im zweiten Fall hat die Person auch die Wahl gehabt zu schauen, was sie will und im dritten hätte man den Mut haben müssen, den Eltern zu sagen, was man will. Die Entscheidung ist immer: Stehe ich zu mir oder lasse ich mich fremd steuern? Ich gebe zu, dass in dieser Frage viele Faktoren mit hinein spielen. Was habe ich für eine Familienstruktur? Wie bin ich erzogen worden? Welche Muster haben die Eltern und Großeltern? Was ist während der Schwangerschaft passiert? In welchem Umfeld waren meine Eltern während meiner Geburt? Wie erging es mir als Kind, im Kindergarten, in der Schule etc.? Was ist mir selber wichtig? Es gibt noch etliche Fragen, die da noch so ihren Einfluss im Unterbewusstsein treiben.
In der Biologie des Glaubens, schreibt Bruce Lipton:
„Nach außen gerichtete angelernte Wahrnehmungen werden als Reaktion auf alles gebildet, von einfachen Objekten bis hin zu komplexen sozialen Interaktionen. In ihrer Gesamtheit tragen diese angelernten Wahrnehmungen zur kulturellen Prägung eines Menschen bei. Die elterliche Programmierung des unterbewussten Verhaltens eines Kindes ermöglicht dem Kind, sich der kollektiven Stimme oder den Glaubensvorstellungen der Gemeinschaft anzupassen.
Neben den nach außen gerichteten angelernten Wahrnehmungen nimmt der Mensch auch nach innen gerichtete Wahrnehmungen an, welche uns Glaubensvorstellung über unsere eigene Identität liefern. Um mehr über uns selbst zu erfahren, lernen wir, uns selbst so zu sehen, wie andere es tun. Wenn Eltern dem Kind ein positives oder negatives Selbstbild vermitteln, wird dieses im Unterbewusstsein des Kindes aufgezeichnet. Das übernommene Selbstbild wird zur unterbewussten kollektiven Stimme. Vermittelt man einem Kind beispielsweise die Wahrnehmung, dass es erfolgreich sein kann, dann wird es fortlaufend genau danach streben. Wurde dem Kind aber die Glaubensvorstellung vermittelt, das es nicht gut genug ist, dann ist der Körper gezwungen, dieser Wahrnehmung zu entsprechen, auch wenn dazu Selbstsabotage notwendig wird, um Erfolg zu verhindern.“
Sind wir doch willenlose Geschöpfe? Sind wir doch abhängig von unserer Herkunft? Nein! Irgendwann ist jeder für sich selbst verantwortlich und kann sich auf den Weg zu sich selbst machen. Mit Mut und Geduld findet man den Weg, seinen Weg, den man im Leben gehen muss.
Bei allen Erfahrungen, die man macht und gemacht hat, entscheidet sich jede Person für seine Situation. Es ist nie eine dritte Person da, die es ausführt, es sind wir immer selber. Weil wir die Wahl haben. Wir haben die Wahl zu entscheiden, was wir wollen. Und genau dort ist die nächste Hürde. Was wollen wir? Ist sich dessen jeder bewusst, was er in seinem Leben wirklich will? Wie viele Menschen treiben in ihrem Leben planlos durch die Gegend! Wie viele Menschen geben Dritten die Schuld für ihre Misere?
Kennen Sie das: „Ich bekomme keine Lehrstelle. Ich habe so viele Bewerbungen geschrieben, nur Absagen. Ich bekomme nur Jobs die keinen Spaß machen. So viele Male habe ich mich Selbstständig gemacht, es will einfach nicht funktionieren.“
Dann fragen Sie sich. Welche Glaubensmuster haben Sie, die Sie beeinflussen? Aus welchen Gründen tun Sie diese und jene Dinge? „Nach deinem Glauben wird dir geschehen.“ – ein alter Bibelspruch.
Es ist egal was Sie glauben, Sie werden immer Recht behalten. Erfolgreiche Menschen haben eines den weniger erfolgreichen voraus. Sie glauben, ja sie sind tief davon überzeugt, dass sie erfolgreich sind. Und genauso ist es andersherum.
Kritiker werden nun sagen: „Na solch einen Mist! Sind denn so viele Menschen davon überzeugt arm zu sein. Wollen so viele Menschen freiwillig Hartz IV? Dazu muss ich sagen, es ist nicht von der Hand zu weisen. Es ist nicht so, dass alle bewusst sagen, ja ich will arm sein. So ist es nicht. Wie ich oben schon erwähnte, spielen viele Faktoren eine Rolle. Das Problem ist das, was wir alles in unserem Unterbewusstsein gespeichert haben. Der Mensch bedient sich aus 95% Unterbewusstsein und nur aus 5% Bewusstsein. Das Unterbewusstsein ist alles das, was automatisch abläuft: z.B. atmen, laufen, Fahrradfahren – also alle Dinge, die wir von Natur aus können oder die wir einmal gelernt haben. Das Bewusstsein ist alles das, worauf wir uns konzentrieren, alles was wir bewusst machen, dort wo unsere Aufmerksamkeit liegt. Ein Beispiel dafür ist das Autofahren. Als jeder von uns Autofahren gelernt hat, konzentriert man sich genau auf das Schalten, Schulterblick, der Blick in den Rückspiegel. Beobachten Sie sich mal, wie das nach einer Weile aussieht oder gar nach Jahren. Da telefonieren wir, singen, reden mit unseren Beifahrer oder grübeln nach. Die Aufmerksamkeit auf Spiegel und Co. ist im Unterbewusstsein verschwunden. Wir funktionieren. Genauso ist es im Leben. Wie viele Sachen nehmen wir nicht mehr bewusst war? Wie viele Entscheidungen fällen wir, ohne nachzudenken? Wie viele Dinge am Tag tun wir, ohne die direkte Aufmerksamkeit darauf zu richten? Wie viele Worte sprechen wir, ohne auf ihren Sinn zu achten? Wie viele Äußerungen machen wir, ohne darauf zu achten wie es dem Gegenüber geht? Aber all das sind Dinge, die in unserem freien Willen liegen. Wir wollen es so, wenn wir es nicht wollen, würden wir etwas dagegen unternehmen.
Wer einen Job hat, in dem er nicht menschenwürdig behandelt wird und dort bleibt, dann ist es sein freier Wille. Ich weiß, dass viele Dinge einfach getan werden wegen dem finanziellen Auskommen. Dafür habe ich Verständnis. Dort muss man aber entscheiden, ob es im Verhältnis zu dem steht, was man ertragen muss und kann. Ist es das Wert, seine Gesundheit aufs Spiel zu setzen, ständig unzufrieden zu sein, Ärger mit dem Partner zu haben, weil man ständig schlecht drauf ist? Oder wäre es besser, wenn man an seine Situation ändert?
Egal wie es aussieht. Das Wichtigste sollte sein, dass man weiß, was man in seinem Leben will. Das zweit Wichtigste ist, sich nicht von anderen verrückt machen lassen. Weder von Bekannten, Verwanden, Freunden und auch nicht vom System. Sein Ziel darf man nicht aus den Augen lassen, und man muss den Mut haben, sich genau dafür einzusetzen. Das eigene Glück sollte immer im Vordergrund stehen. Dabei bin ich nicht blauäugig, ich weiß selbst, was da alles auf einen zukommt. Aber das Gefühl, sich immer treu geblieben zu sein und es zu bleiben, ist schon wundervoll. Es ist schön zu wissen, bei allem was passiert, man findet immer eine Lösung im Sinne des eigenen Ziels. Dabei muss der Rahmen, indem wir leben, nicht immer ein unüberwindbares Hindernis sein.
Das, was wir alle in unseren privaten Bereich tun müssen, das müssen wir alle auch auf der globalen Ebene tun. Die Politik, die wir erleben, ist eine Summe dessen, was wir alle gemeinsam glauben. Sie ist unser aller freier Wille. Die große Koalition ist ein Zeichen dafür, dass wir uns nicht entscheiden können. Die immer geringer werdende Wahlbeteiligung ist ein Zeichen dafür, dass es uns als Volk nicht mehr interessiert, was die da oben treiben. Es ist das Zeichen dafür, dass das Volk resigniert hat. Wir glauben nicht mehr daran, dass wir als Volk etwas bewegen können. Wir denken immer, es hat keinen Sinn mehr. Ja, es ist der fehlende Sinn!
Was haben wir davon, was Politiker tun? Viel. Es wird durch sie genau der Rahmen, in dem wir leben, hergestellt. Wenn ein Volk glaubt, dass alles zu seinem Schlechten ist, dann wird es so sein. Wenn ein Volk glaubt, bei Wahlen nichts ausrichten zu können, dann wird es so sein. Wenn ein Volk glaubt, man will ihm immer nur das Geld wegnehmen, dann wird es so sein. Wenn ein Volk glaubt, dass es nicht mehr gebraucht wird, dann wird es so sein. Überprüfen wir mal, woran wir so alles glauben im privaten wie im gesellschaftlichen Sinne. Sind wir wirklich so machtlos? In Deutschland leben über 80 Millionen Menschen.
Ich frage Sie: Sind wir wirklich so machtlos? Es sind die kleinsten Gruppen in Deutschland, die Macht ausüben. Und wer gibt ihnen die Macht? Wir alle. Alle die den Glauben haben, nichts machen zu können. Wir spielen, mit diesem Gedanken und der großen Angst vor Unheil, diesen kleinen Gruppen die Macht zu. Mit jedem Gedanken der Hoffnungslosigkeit geben wir Dritten die Macht über uns. Es ist doch aber unser freier Wille! Wir wollen Glück und Zufriedenheit. Warum können wir nicht daran glauben? Das Einfachste, was jeder für sich tun kann, ist an sich zu glauben und daran, dass er immer die freie Wahl hat, jeden Tag aufs Neue. Es ist unsere Identität, geben wir sie nicht ab. Wir entscheiden, was in unser aller Leben passiert, immer und zu jeder Zeit, im Privaten, genauso wie auf gesellschaftlicher Ebene. Fangen wir jetzt damit an! Es ist immer der beste Zeitpunkt eine Veränderung im Leben zu zulassen. Sagen wir überall, was wir wollen! Hören wir auf mit dem falschen Scham! Holen wir unser Glück und hören auf zu warten, ob wir es vielleicht irgendwann von Jemandem bekommen. Wir werden nichts bekommen, wenn wir es nicht wollen. Wir werden es auch nicht bekommen, wenn wir es nicht aussprechen, dass wir es bekommen wollen. Lassen Sie uns gemeinsam jeden Tag sagen, was wir wollen, immer und über all!

Hier habe ich noch eine kleine Geschichte, die ich zu diesem Thema gefunden habe:

Geld oder Grille

Ein Indianer besucht einen weißen Mann. In einer Stadt zu sein, mit dem Lärm, den Autos und den vielen Menschen- all dies ist ungewohnt und verwirrend für ihn.
Die beiden Männer gehen die Strasse entlang, als der Indianer plötzlich stehen bleibt: „Hörst Du auch, was ich höre?“ Der Andere horcht: „Alles was ich höre, ist das Hupen der Autos und das rattern der Omnibusse.“
„Ich höre ganz in der Nähe Grillen zirpen.“
„Du musst dich täuschen. Hier gibt es keine Grillen. Und selbst wenn es eine gäbe, man könnte sie bei diesen Lärm nicht hören.“ Der Indianer geht ein paar Schritte weiter und bleibt vor einer Hauswand stehen. Wilder Wein rankt an der Mauer. Er schiebt die Blätter auseinander- und da sitzt tatsächlich eine Grille.
Der Andere sagt: „Indianer können eben besser hören als Weiße.“ „Ich bin nicht sicher“, erwidert der Indianer, lässt sich ein 50 Cent Stück geben und wirft es auf das Pflaster. Es klimpert auf dem Asphalt, Leute bleiben stehen und sehen sich suchend um. „Siehst du“, sagt der Indianer, „das Geräusch, das das Geldstück gemacht hat, war nicht lauter als das der Grille. Und doch hörten es viele. Wir alle hören eben auf das, worauf wir zu achten gewohnt sind.“
Aus „Typisch – kleine Geschichten für andere Zeiten.“

Richten wir also den Blick darauf, was jeder in seinem Leben erreichen will, und lassen wir uns nicht von dem Einheitsbrei ablenken!

Viel Glück!

Danielle Wünschmann
www.dieanders-denker.de


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