Colditz: Ausstellung über “frühe Konzentrationslager in Sachsen 1933 bis 1937″

Apr 13th, 2009 | Von | Kategorie: Landkreis Leipzig, Veranstaltungstipps

Hannah Arendts Ausspruch zum Beginn der NS-Diktatur “Was dann losging, war ungeheuerlich…” ist als Motto für eine Wanderausstellung der Stiftung Sächsische Gedenkstätten gewählt worden, die seit Karfreitag auch in der “Großen Tonne” auf Schloss Colditz zu sehen ist. Das Schloss gehörte zu jenen mehr als zwanzig frühen Konzentrationslagern in Sachsen, die die Ausstellung in den Mittelpunkt rückt. Teilweise unveröffentlichte Fotografien, zeitgenössische Dokumente und Zeitzeugenberichten machen die Vergangenheit anschaulich im Wortsinne. Anhand von Biografien ehemaliger Gefangener werden die Funktionen der Lager und die Haftbedingungen veranschaulicht. Außerdem wird in ihnen der unterschiedliche politische bzw. religiöse Hintergrund der Insassen deutlich. Die präsentierten Biografien von Angehörigen des Wach- bzw. Führungspersonals zeigen exemplarisch die Lebenswege der Täter, von denen nicht wenige später in Lagern wie Dachau, Buchenwald oder Majdanek ihre Karriere fortsetzten. Natürlich kann man sich immer streiten, ob die ausgewählten Beispiele wirklich typisch sind, ob der eine oder der andere Aspekt hinreichend gewürdigt worden ist, aber insgesamt handelt es sich um eine sehenswerte Wanderausstellung, die nunmehr zweieinhalb Jahren nach ihrer ersten Präsentation in Frankenberg, wo es das frühe KZ Sachsenburg gab, auch in unserem Kreisgebiet zu sehen ist. Der Besuch könnte auch für Schulklassen lohnend sein, besonders wenn Begleitmaterial zur Verfügung stünde. Hier ist auf die lesenswerte Broschüre zum KZ Colditz zu verweisen, die von der IG Geschichte der LINKEN des Muldentalkreises erarbeitet worden ist.
Das Lob, das ich der Ausstellung gern ausspreche, kann ich leider nicht auf die Eröffnungsveranstaltung ausdehnen. Wieder einmal wurde die Grundproblematik der Stiftung Sächsische Gedenkstätten deutlich. Immer wieder war in den einführenden Worten des amtierenden Geschäftsführers der Stiftung die Rede von den “beiden deutschen Diktaturen”, die aufeinander gefolgt seien. Politisch leichtfertig und historisch falsch wurden das NS-Regime und die DDR faktisch gleichgesetzt. Sollten unter den Anwesenden Opfer des NS-Regimes gewesen sein, die in der DDR gelebt haben, wird ihre Verbitterung ob der offiziellen Geschichtsklitterung, wegen der die NS-Opferverbände bereits aus den Stiftungsgremien ausgeschieden sind, wohl noch gewachsen sein. Manfred Heinz, der Bürgermeister von Colditz, brachte endlich auch einen Verweis auf die Gegenwart, auf die anhaltende braune Gefahr. In den Worten des Stiftungsvertreters war dies völlig ausgeblendet worden. Unserem Genossen Klaus Meißner (Wurzen) blieb es vorbehalten, auf die Bedeutung von Colditz auf dem Weg der Nazis zur Macht und in der Zeit ab 1933 zu verweisen. In Colditz existierte die erste Ortsgruppe der NSDAP, 700 Mitglieder zählte sie noch vor der Machtübergabe an die Nazis. Auch die Kreisleitung der Nazipartei befand sich in dieser Kleinstadt.
Es wird jetzt darauf ankommen, dass die Ausstellung vor Ort auch den gebührenden Anklang findet. Besuche von Schulklassen unter Begleitung von Zeitzeugen bieten sich geradezu an. Dem Projekt ist auf jeden Fall mehr Publikumszuspruch zu wünschen als bei der Eröffnungsveranstaltung mit dem ausgesprochen spärlichen Andrang.

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