Braune Flecken bei Schulnamen sind logische Konsequenz
Feb 3rd, 2009 | Von admin | Kategorie: AllgemeinWenn in Sachsen nach den Recherchen des Chemnitzer Historikers Geralf Gemser mindestens 16 Schulen nach früheren Nazis benannt sind, ist das zunächst ein skandalöser Umstand, der schleunigst durch das Kultusministerium korrigiert werden muss. Wenn zum Beispiel ausgerechnet eine Dresdner Schule für Körperbehinderte nach Rainer Fetscher, einem Befürworter des NS-Sterilisationsgesetzes, benannt ist, kann das nur als makaber und instinktlos bezeichnet werden. Zumindest ein Teil der dortigen Schüler wäre nach Fetschers Willen zum Opfer dieses Gesetzes geworden.
Es macht mich betroffen und wütend, dass sich kaum eine Schule kritisch mit der Biografie ihres Namensgebers beschäftigt hat. Wenn, wie im Falle der Frankenberger Max-Kästner-Schule, diese Fakten aus der Lebensgeschichte sogar unterschlagen werden, ist fraglich, ob die Schulleitungen ihrem demokratischen Auftrag gerecht werden. Eigentlich aber ist der jetzt öffentlich gewordene Skandal nur die logische Konsequenz der systematischen und unüberlegten Auslöschung der DDR-Vergangenheit seit der Wiedervereinigung, denn immerhin sind mindestens sieben dieser Schulen erst danach mit dem heutigen Namen versehen worden. Unabdingbar ist neben der schnellstmöglichen Umbenennung, dass jetzt die betreffenden Schulen eine öffentliche kritische Aufarbeitung der Biografie ihrer Namenspatrone leisten. Für die neuen Namen liegt es nahe, dass dabei besonders Opfer der NS-Diktatur und Menschen aus dem Widerstand gegen sie berücksichtigt werden sollten.






