Zschadraß: Ökodorf mit ehrgeizigen Zielen
Jan 27th, 2009 | Von admin | Kategorie: Landkreis Leipzig
Die 3.500-Seelengemeinde Zschadraß liegt im wirtschaftlich schwachen Südosten des Landkreises Leipzig. “Wir waren im alten Muldentalkreis die einnahmenschwächste Kommune und das sind wir auch im neuen Landkreis”, fasst der parteilose Bürgermeister Matthias Schmiedel das Dilemma seiner Gemeinde zusammen. Bis vor wenigen Jahren waren die Energiekosten noch der zweitgrößte Posten im Haushalt. Doch damit wollte sich der seit 1991 amtierende Gemeindechef nicht abfinden. Dank eines Stifters aus Frankfurt/Main begann die Gemeinde im Jahr 2000, Photovoltaikanlagen auf ihre kommunalen Gebäuden zu installieren. Doch dabei sollte es nicht bleiben. Bis 2050 will die Energiespargemeinde Energieautark werden. Wie Zschadraß das schaffen will, erläuterte Schmiedel am Montag bei einem Besuch der Linken-Landtagsabgeordneten Kerstin Köditz, Kathrin Kagelmann (Umweltpolitische Sprecherin) und Cornelia Falken (Fachbereich Schule und Sport).
Dabei erklärte er, dass die 21 Ortsteile umfassende Gemeinde bereits einen beachtlichen Teil ihrer Energie selbst produziert. Ein Holzhackschnitzelkraftwerk in der Grundschule produziert Strom und Wärme für Schule, Gemeindeamt und mehrere Sportstätten. Das Holz dafür liefert ein einheimischer Bauer aus Meuselwitz. “Uns ist es wichtig, dass wir lokale Wirtschaftskreisläufe fördern”, so der Bürgermeister. Weitere Energie kommt von einer Biogasanlage in Raschütz sowie von weiteren Photovoltaik- und Solaranlagen auf verschiedenen Gebäuden der Gemeinde. Erfreulich sei auch, so Schmiedel zu den Parlamentarierinnen, dass sich die Bevölkerung aktiv an dem langfristig angelegten Projekt beteilige. Zahlreiche Einwohner hätten sich nun auch Solar- und Photovoltaikanlagen aufs Dach gesetzt. “Es braucht halt manchmal einen Verrückten, der die Vorreiterrolle übernimmt”, schmunzelt das Gemeindeoberhaupt.
Auf der anderen Seite kann Schmiedel nicht verstehen, warum den Gemeinden bei solchen Projekten zahlreiche Steine in den Weg gelegt werden. Eigentlich müssten Bund und Länder doch ein Interesse an einer ökologisch nachhaltigen Wirtschaftsförderung haben. Immerhin würden sich die Öko-Energie-Anlagen innerhalb weniger Jahre amortisieren und danach Geld in die Kasse der Gemeinde spülen. Mit dem zusätzlichen Geld will Schmiedel den Elternbeitrag für den Kindergarten senken und die Vereine unterstützen.
Die weiteren Pläne klingen ambitioniert: In den nächsten Jahren soll ein großes Windrad aufgestellt werden, an dem die Gemeinde sich beteiligt. Ob das die Einwohner nicht störe, wenn immer mehr Windräder aufgestellt würden, fragt eine der Landtagsabgeordneten. “Nein, überhaupt nicht”, so Schmiedel. Es gäbe ein Totschlagargument, das jeden Kritiker überzeuge. Denn die gewonnene Energie des Windrades soll vergünstigt an die umliegenden Haushalte abgegeben werden, sodass ein geldwerter Vorteil für die Anwohner entsteht. “Wenn die Leute mehr Geld in der Tasche haben, stört auch ein Windrad nicht mehr so sehr”, meint Schmiedel.
Die Parlamentarierinnen Köditz, Kagelmann und Falken überlegen nun, wie auch andere Gemeinden animiert werden können, solche Projekte wie in Zschadraß anzuschieben.
Text: M. Gürnth
Bild: R. Zweynert








