Linke gedenken in Lindhardt ermordeter Kommunisten (LVZ Muldental, 19.01.2009)
Jan 19th, 2009 | Von admin | Kategorie: MedienechoLandtagsabgeordnete Kerstin Köditz übt am Denkmal für Liebknecht und Luxemburg Kritik an deutscher Sozialdemokratie
Naunhof/Lindhardt. Fast auf den Tag genau 90 Jahre nach der Ermordung von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht wurde am Sonnabend in Lindhardt an die beiden kommunistischen Politiker erinnert. Dem Aufruf der Linkspartei waren rund 50 Frauen und Männer gefolgt. Nachdem die Gedenktafel im Sommer vorigen Jahres gestohlen worden war, hatte nun eine neue auf dem Denkmal Platz gefunden. Und das “dank der Initiative der Naunhofer Linken und der finanziellen Absicherung durch die Stadt Naunhof”, sagte Kerstin Köditz aus Grimma, Landtagsabgeordnete der Linkspartei.
Heike Werner, die Chefin der Kreistagsfraktion der Linkspartei, betonte in ihrer Ansprache, dass 1919 mit Liebknecht ein international anerkannter Bürgerrechts- und Friedenskämpfer starb. Und Luxemburg sei eine “von Lenin und den Bolschewiki unabhängige Theoretikerin der internationalen radikalen Linken” gewesen. “Beide waren Kommunisten, aber zugleich auch Demokraten.” Werner: “Vielleicht hätte die Geschichte der internationalen Linken, ja die Geschichte Deutschlands eine andere Entwicklung genommen, wäre dieser Januar 1919 nicht so verlaufen.” Sie erinnerte zudem an das oft zitierte Luxemburg-Wort von der Freiheit der Andersdenkenden und mahnte zur gegenseitigen Toleranz. Dies gelte auch für “unsere kleinen Alltagskonflikte, die leider oft den Charakter von Machtkämpfen annehmen”.
Köditz übte heftige Kritik an Deutschlands Sozialdemokratie und machte diese mitverantwortlich für die Ermordung Luxemburgs und Liebknechts: “Die Geschichte der SPD zeugt nicht von Lernfähigkeit. Ich habe es jedenfalls noch nicht erlebt, dass sich die SPD für die Morde entschuldigt hätte.” Diese Partei hätte sich nach dem Ende des Ersten Weltkrieges mit “Mörderbanden und dem Großkapital” verbündet.
Köditz meinte mit Blick auf die Rolle der Linkspartei heute, dass deren Weg nicht “Gespräche mit den Machthabern in den Hinterzimmern der Macht” sein könnten, sondern “in der Entfaltung von Druck auf die Mächtigen” bestehe. Die Landtagsabgeordnete brachte bei der Gelegenheit gleich noch einen Buchtipp unter die Leute: Seit wenigen Tagen sei ein Buch von Klaus Gietinger mit dem Titel “Der Konterrevolutionär” auf dem Markt, das sich erstmals umfassend mit Waldemar Pabst befasse. Der gilt als hauptverantwortlich für die Morde.
Ruth Dörfler vom Kreisvorstand der Linkspartei betonte am Rande der Gedenkveranstaltung, dass es auch heute noch viele Menschen gebe, denen Luxemburg und Liebknecht etwas zu sagen haben. “Für mich selbst gab es letztens im Fernsehen eine gute Dokumentation zur Auffrischung”, so Dörfler. “Da war ich richtig erschüttert, als ich hörte, dass die Mörder nach ihrer Tat feiern gingen.”
Text: Bert Endruszeit (LVZ)
Bild: DSZ/Marcel Gürnth






