Gedanken eines Quergeistes

Dez 16th, 2008 | Von dermarsl | Kategorie: Meine Meinung

Die Finanz- und Wirtschaftskrise zieht ihre Bahnen durch die Gesellschaft. Genauso wie Krankheit ehrlich macht, tut es eine globale Krise. Bei einer Krankheit heißt es immer: Wie gehe ich mit mir um? Was ist mir wichtig? Bin ich bereit, mir meine Schatten anzusehen. Heilung entsteht dann, wenn man sich selber erkannt hat, ehrlich mit sich selbst ist und keine Scheu davor hat, sich seine Schatten ganz bewusst in das hier und jetzt zu holen. Nur wenn ich mich so annehme, mit all meinen vermeintlich negativen und positiven Seiten, kann tief in mir Heilung stattfinden.
Wie ist das auf eine Finanz- und Wirtschaftskrise zu übertragen? Krisen sind immer Sinnkrisen. Man kennt ihren Sinn nicht. Den Sinn, warum man was wie tut. Was ist einen wichtig? Krankheiten entstehen meist, wenn die Materie zu wichtig für eine Person geworden ist. Der Weg heraus ist immer, sich klar zu machen, dass seelische Dinge weitaus beständiger und wichtiger sind. Das Seelenheil ist nachhaltiger. Und das passiert gerade dieser Tage während dieser Finanz- und Wirtschaftskrise - wir werden ehrlich. Durch die Bank weg, alle! Es spielt keine Rolle welchen gesellschaftlichen Status wir inne haben. Die Regierung ist so kurz vor der Wahl nicht gewillt, etwas sinnvolles für ihr Volk zu tun. Sie würden ja jetzt schon die Munition, die sie für die Wahl brauchen, verschießen. Warum sollte jetzt die Mehrwertsteuer wieder sinken, wenn man sich das für das Wahlprogramm aufheben kann?
Am 7.12.2008 habe ich mir in der ARD den Politiktalk Anne Will angesehen. Da wurde uns gezeigt, wie ehrlich Politiker sein können. Die FDP ist dafür, das die Mitte der Gesellschaft entlastet werden muss. Nur wie definiert die FDP die Mitte der Gesellschaft? Ich war immer der Meinung das ich dazu gehöre, wurde aber enttäuscht. Nachdem ich meine Selbständigkeit aus wirtschaftlichen Gründen aufgeben musste, beziehe ich nun Hartz IV. Es ist nur vorübergehend, weil mein neuer Weg in die neue Selbständigkeit erst vorbereitet werden muss. Und das in den Zeiten der Krise. Ich gehöre zu denen, die nicht aufgeben und sich immer neue Wege suchen. Auch in solchen Zeiten, in denen die Regierung und Konzerne alles schwarz malen. Bei Anne Will musste ich feststellen, dass ich nach Meinung des CDU-Youngsters Phillip Mißfelder kein normaler Mensch bin, keine Stütze der Gesellschaft und eine Randgruppe bin, die es nicht Wert ist, dass sich um sie gekümmert wird. Nach seiner Meinung müsste die soziologische Mittelschicht unterstützt werden: Die „normalen Menschen“, die täglich zur Arbeit fahren; die, mit „normalen Biographien“: Menschen die sich Mühe geben und arbeiten. Mißfelder sagte: „diese normalen Menschen zahlen Steuern und verschaffen dem Staat Handlungsspielraum“. Ich als Randgruppe verschaffe dem Staat keinen Handlungsspielraum. Denn ich zahle keine Steuern (sagt man). Meine Versicherungen, die Butter, das Brot, das Auto - all das scheint bei mir steuerfrei zu sein…
Die Frage ist: Wer bereichert sich dann? Denn ich zahle den selben Preis wie die soziale Mittelschicht. Wohin gehen all die Steuern die ich überall mitbezahle? Der Staat scheint sie ja nicht zu haben, sonst wäre ich auch eine Stütze für ihn. Oder ist es einfach zu wenig? Ja, nur das kann es sein. Es ist zu wenig. Man ist erst was wert, wenn man viele Abgaben leistet. Beim Polit-Talk wurde gesagt, dass 24 Millionen Haushalte keine Steuern zahlen. 24 Millionen Haushalte, die für die Gesellschaft nicht wertvoll sind - laut CDU.
Aber wer wählt solche Politiker denn? Sind wir so schmerzpervers, dass wir solche Menschen wählen, über uns zu regieren? Warum geben so viele Menschen ihnen noch ihre Stimme? Nun zeigen sie, wozu sie die Menschen brauchen. Sie brauchen uns, damit sie handlungsfähig sind. Fragt sich: wofür? Für uns Bürger nicht! Da wird jeder Cent rumgedreht, bevor man ihn uns wieder überlässt (z.B. Pendlerpauschale). Das Bundesverfassungsgericht hat vor Kurzem entschieden, dass ab den ersten Kilometer die gesamte Strecke wieder von der Einkommenssteuer abgesetzt werden kann. Im gleichen Atemzug wird uns nun wieder ein schlechtes Gewissen eingeredet: Dass der Haushalt 2009 drei Milliarden Euro mehr Schulden machen wird. Dass man aber acht Milliarden Euro allein für die Banken verpulvert, ist legitim? Dann wird uns wieder erzählt, dass eine Mehrverschuldung nicht möglich ist wegen der nächsten Generationen. Immer sollen wir mit nachfolgenden Generationen erpresst werden. Schmidt & Co. haben sich auch keine Gedanken gemacht, ob wir die Last tragen können!
Wie geht nun der Staat mit dieser Krise um? So wie er es momentan tut, wird er sein Seelenheil nicht finden. Solange er nicht bereit ist, die Menschen in ihrer Vielfalt so zu nehmen, wie sie sind, und erkennt, dass dieses bedingungslose Grundeinkommen unser ureigenes Grundrecht ist, werden wir uns immer mehr zerreisen. Genauso muss jeder Mensch erkennen, dass es absolut nichts bringt, wenn wir uns untereinander bewerten, wer besser und wer schlechter ist. Es gibt keinen besseren oder schlechteren Menschen, wir sind nur unterschiedlich. Jemand der zwanzig Jahre in eine Firma geht, um zu arbeiten, ist nicht besser als jemand der mal hier mal da arbeitet, und dieser ist nicht besser als der, der gar nichts tut. Denn eines wissen wir nicht. Warum es die Menschen so tun, warum sie solche Wege gehen. Und das sollten wir jeden auch selbst überlassen, auf welche Art und Weise er glücklich wird. Vielmehr sollten wir uns um die kümmern, denen es schwer fällt, ihren Weg zu finden. Solange nur Leistung in Form von Gewinn und Geld zählen, vergibt sich die Gesellschaft all die Talente, die in den Menschen schon da oder nur angelegt sind. Solange eine Gesellschaft nicht das Gefühl für Schwache hat, ist sie nicht noch nicht auf ihrem Weg. Bei jeden Teamsport ist das Team nur so stark wie sein schwächstes Glied. Da wird niemand hängen gelassen. Und in unserer Gesellschaft? Sind wir kein Team? Aber was sind wir dann? Warum sehen sich Politiker die Wirklichkeit nicht an? Einfach ansehen ohne sie zu bewerten, einfach beobachten, sich hineinfühlen. Warum hat man so wenig Interesse?
Eines ist sicher: Nur die vermeintliche Randgruppe wird diese Gesellschaft stützen, wenn es hart auf hart geht. Denn diese Gruppe hat nichts zu verlieren. Für diese Gruppe kann es immer nur besser werden.

Danielle Wünschmann


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