Köditz befürchtet Einzug der NPD in Röthaer Straße – Gedächtnisstätte entlässt Mitarbeiter Peter Hild (LVZ Borna-Geithain, 30.10.2008)

Okt 30th, 2008 | Von | Kategorie: Medienecho

Von Thomas Lieb

Borna. Das Grimmaer Büro der Landtagsabgeordneten Kerstin Köditz (Die Linke) hat offenbar neue Erkenntnisse über Interna des Vereins Gedächtnisstätte in Borna gesammelt. Demnach soll der wissenschaftliche Mitarbeiter des Vereins, Peter Hild, fristlos von seinen Ämtern entbunden worden sein. Zudem verdichten sich Gerüchte, dass sich die rechtsextreme NPD in der Röthaer Straße einnisten will.
In einer Mitteilung informierte Köditz am Dienstag: "Ein dem bisherigen Leiter des Anwesens in der Röthaer Straße nahe stehendes Internetportal meldet: ,NPD-Funktionäre wollen anscheinend Bornaer Gedächtnisstätte übernehmen’." Die Sprecherin für antifaschistische Politik ihrer Landtagsfraktion vermeldete weiter, dass den Verein Geldsorgen plagen würden. Die Kassenlage sei zu knapp, um etwa den Mitarbeiter Hild länger als Festangestellten zu beschäftigen. "Stattdessen wurde Hild mit einem Hausverbot belegt und mit sofortiger Wirkung von seinen Aufgaben entbunden", heißt es aus Grimma.
Hinter der Personalie Hild und ihren Erkenntnissen über die immer deutlicher werdende NPD-Nähe des umstrittenen Vereins vermutet Köditz, "dass das bisherige Deckmäntelchen der Reputierlichkeit endgültig abgestreift wird". Nach ihren Recherchen habe der Vorsitzende des Gedächtnisstätten-Vereins, Wolfram Schiedewitz, unlängst einer Theoriezeitschrift der NPD-Jugendorganisation ein Interview gegeben. Und auch der für die NPD in den Kreistag des Landkreises Leipzig gewählte Gerd Fritzsche (Borsdorf) gehe in der Röthaer Straße inzwischen ein und aus. Wie die LVZ aus Polizeikreisen erfuhr, hat ein Kopf der Freien Kräfte Borna mittlerweile eine Wohnung im Vereins-Anwesen bezogen.
Die Sorgen im Umfeld des Vereins "scheinen nicht unerheblich zu sein", so Köditz weiter. "Nach Angaben Hilds seien durch die jüngsten Entwicklungen bereits Referenten abgesprungen, und Leihgeber hätten ihre Ausstellungsstücke zurückverlangt", schreibt die Landtagsabgeordnete der Linken. "Sollte sich die bisherige NPD-Nähe des Vereins Gedächtnisstätte in eine Dominanz der NPD wandeln", befürchtet Köditz, "dann wird Borna wahrscheinlich noch stärker als in der Vergangenheit Anlaufpunkt für die gesamte Neonazi-Szene und Geschichtsfälscher werden." Für ihre Partei sei dies ein Grund mehr, die Angelegenheit in der nächsten Sitzung des
Innenausschusses des Landtages zur Sprache zu bringen und den Antrag ihrer Fraktion zur Gedächtnisstätte "mit Hochdruck zu verfolgen". Darin fordert die Linkspartei von der Staatsregierung eine Bundesratsinitiative mit dem Ziel eines Vereinsverbotes.
"Allen Experten ist unverständlich", erläutert die Landtagsabgeordnete, "dass der Bundesinnenminister den Mutterverein Collegium Humanum verboten und die Tochter Gedächtnisstätte unbehelligt gelassen hat."


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