Entsetzen nach neuer Schlägerei in Mügeln - Staatsschutz ermittelt (Sächsische Zeitung, 30.09.2008)
Sep 30th, 2008 | Von admin | Kategorie: MedienechoMügeln - Ein neuer Gewaltexzess in Mügeln (Kreis Nordsachsen), wo vor einem Jahr Ausschreitungen gegen eine Gruppe Inder für Schlagzeilen sorgten, hat am Dienstag Entsetzen ausgelöst. Der Staatsschutz der Polizei prüft nach eigenen Angaben, ob es einen Zusammenhang zwischen der Tat, bei der ein 35-Jähriger schwer verletzt wurde, und den Ereignissen vom Vorjahr gibt.
Der 35-Jährige hatte bei den Ermittlungen zu den Übergriffen als Zeuge ausgesagt und war auch in einer Fernseh-Dokumentation aufgetreten. Am vorigen Sonntag wurde er von einem 20-Jährigen umgerissen, geschlagen und getreten. Er war zuvor an einer Gruppe von etwa 15 Personen vorbeigelaufen. "Dort ist er!", soll einer aus der Gruppe gerufen haben. Das Opfer erlitt eine Platzwunde neben dem Auge sowie Prellungen. Politiker der Grünen und der Linken forderten Aufklärung.
Ob der 20 Jahre alte Angreifer dem rechten Spektrum zuzurechnen ist, blieb offen. Die Polizei machte keine weiteren Angaben, die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung.Acht Inder hatten sich im August 2007 während des Mügelner Altstadtfestes mit knapper Not in eine Pizzeria gerettet. Davor grölte ein Mob von etwa 50 Personen ausländerfeindliche Parolen.
"Es deutet einiges darauf hin, dass die Täter seinerzeit viel zielgerichteter gehandelt haben, als zunächst bekanntwurde", erklärte der innenpolitische Sprecher der Grünen im Landtag, Johannes Lichdi. Zum jetzigen Zeitpunkt müsse damit gerechnet werden, dass der Zeuge verprügelt worden sei, weil er seine Aussagen gemacht habe.
Für die Linksfraktion kritisierte Kerstin Köditz, der Mügelner Bürgermeister habe "bis heute noch nicht den Mut offen einzugestehen, dass es in seiner Kommune ein offenkundiges Problem mit der extremen Rechten gibt". Gotthard Deuse (FDP) war am Dienstag für die Deutsche Presse-Agentur dpa wegen eines "vollen Terminkalenders" nicht zu erreichen. Köditz und Lichdi erklärten aber auch, jetzt sei das sächsische Innenministerium gefordert. Die Kommunen dürften mit dem Problem nicht alleingelassen werden.








