Haverbeck-Wetzel feiert jetzt in Borna (Vlothoer Anzeiger, 20.08.2008)
Aug 20th, 2008 | Von admin | Kategorie: MedienechoVlotho (va). Die ehemalige Vorsitzende des verbotenen Vereins "Collegium Humanum" ist weiterhin in der rechtsextremen Szene aktiv. Ursula Haverbeck-Wetzel gehörte jetzt zur Gratulantenschar des Altnazis Hajo Herrmann.
Von Oliver Plöger
Ein Video von Herrmanns 95. Geburtstag tauchte im Portal "Youtube" auf, Haverbeck-Wetzel ist kurzzeitig zu sehen – wenn auch nur von hinten. "Sie war unverkennbar da", sagt Volkmar Wölk, der sich seit Jahrzehnten mit der rechtsextremen Szene auseinandersetzt, in seinem Buch "Natur und Mythos" ausführlich über Werner Georg Haverbeck geschrieben hat und heute im Wahlkreisbüro von Kerstin Köditz (Die Linke) arbeitet.
Der Geburtstag des ehemaligen Wehrmacht-Offiziers und Ritterkreuzträgers wurde mit etwa 200 Gästen in der "Gedenkstätte Borna" gefeiert, die 80-jährige Haverbeck-Wetzel soll dem Vorstand des Trägervereins angehören. Weitere Gratulanten waren laut Volkmar Wölk der NPD-Parteivorsitzende Udo Voigt, Abgeordnete und Mitarbeiter der NPD-Landtagsfraktion in Sachsen, Vertreter der rechtsextremen DVU und verschiedene Wehrmacht-Veteranen. Vor Ort soll auch Olaf Rose gewesen sein, der gern Vorträge über den "letzten Ritter" Ernst Jünger hält, oder sich nach eigenen Angaben mit der "Geheimakte Heß" auskennt. Rose gehörte auch zu denjenigen, die sich im "Collegium Humanum" auf dem Vlothoer Winterberg aufhielten.
Der ehemalige NPD-Anwalt Horst Mahler hingegen war diesmal offenbar nicht in Borna. Er hatte gemeinsam mit Haverbeck-Wetzel den ebenfalls verbotenen "Verein zur Rehabilitierung der wegen Bestreitens des Holocaust Verfolgten" gegründet. Aktuell sollen sich beide zerstritten haben – offiziell wegen unterschiedlicher Auffassungen zur weiteren Vorgehensweise.
Verärgert über die weiteren Aktivitäten nach den Vereinsverboten zeigte sich auch Kerstin Köditz, Sprecherin für antifaschistische Politik: "Manchmal möchte man lieber Unrecht haben. Als der Verein Gedächtnisstätte sein Domizil eröffnete, habe ich vorausgesagt, dass hier ein neues Mekka für alte und neue Nazis zu entstehen droht. Diese Befürchtung hat sich inzwischen leider immer wieder bestätigt. Man kann heute sogar davon sprechen, dass es die berühmten ,üblichen Verdächtigen` sind, die es immer wieder nach Borna zieht." Die Linksfraktion habe bereits im Juni den Antrag gestellt, Sachsen möge gegenüber der Bundesregierung auf ein Verbot auch des Gedächtnisvereins hinwirken. Anstalten dazu scheint es nicht zu geben.
Das Bündnis gegen das "Collegium Humanum" freut sich über den Erfolg, zur Schließung der rechten Kaderschmiede maßgeblich mit beigetragen zu haben. Aber auch hier wird die weitere Existenz des Gedächtnisstätten-Vereins kritisiert. Ein vorgesehenes Treffen Vlothoer Akteure in dieser Woche, in dem es noch einmal um das "CH" geht, dürfte auch die aktuellen Aktivitäten von Haverbeck-Wetzel beleuchten. Was mit dem ehemaligen "CH"-Gebäude auf dem Winterberg geschieht, ist noch offen. "Wir wissen das nicht", sagte Bürgermeister Bernd Stute gestern.
Verkauf der alten Volksschule problematisch
Derzeit werde die Immobilie von der Bundesvermögensanstalt verwaltet. Frage sei nun, wie es nach einem eventuellen Revisionsverfahren weitergeht. "Wir haben aber sichergestellt, dass wir informiert werden", so Stute. Einen Verkauf der ehemaligen Winterberger Volksschule hält der Bürgermeister für problematisch. "Wer weiß, wer das Gebäude dann haben will." Nach seiner Auffassung wäre allein der Abriss sinnvoll.
Die weiteren Aktivitäten von Ursula Haverbeck-Wetzel überraschen Stute indes nicht. Er will sich mit der neuen Bornaer Bürgermeisterin treffen, um über die Erfahrungen in Vlotho zu berichten.
Wie Gerhart Schöll vom Bündnis gegen das Collegium Humanum weiß, haben viele Bürger Sorge, dass Borna eine "traurige Schlüsselrolle" bekomme und der Verein "Gedächtnisstätte" zur Nachfolgeorganisation mutiere.
Schwere Geschütze fährt deshalb auch Kerstin Köditz auf: Die Haltung des sächsischen Innenministers Albrecht Buttolo grenze an Arbeitsverweigerung. Der hatte nämlich erklärt, der Freistaat Sachsen werde "geeignete Initiativen ergreifen, sofern Erkenntnisse dies gebieten." Diese Erkenntnisse, so Köditz, lägen längst vor.






