Zum Beginn des NSU-Prozesses: Bundesweite antifaschistische Demonstration in München am 13. April!
Rassismus bekämpfen - "Verfassungsschutz" abschaffen!

    Allgemein

    Fremdkörper in einer demokratischen Gesellschaft

    Die Fraktion DIE LINKE in Sachsen-Anhalt diskutierte mit einschlägigen
    Gästen linke Alternativen zum Verfassungsschutz

    „Die Verfassungsschutzämter haben eben nicht geschützt, vielmehr kam es
    zum Aufbau einer rechtsextremen Szene und sogar zu Morden unter den
    Augen des Verfassungsschutzes“, so die rechtspolitische Sprecherin der
    Fraktion DIE LINKE Eva von Angern. Ausgehend von den Ereignissen rund um
    die Mordserie des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) lud die
    Fraktion zu einer Veranstaltung ein, die den Inlandsgeheimdienst klar in
    Frage stellte und versuchte, linke Alternativen zum Verfassungsschutz
    aufzuzeigen. „Geht´s auch ohne?“, so der Titel der Fachtagung im
    Magdeburger Kulturwerk Fichte, die InnenpolitikerInnen der LINKEN,
    Fachexpertise und zivilgesellschaftliche Akteure zu spannenden Vorträgen
    und Diskussionen zusammenführte.

    Für DIE LINKE kann die Forderung nur lauten: Verfassungsschutz
    abschaffen! „Aus grundsätzlichen Erwägungen“, wie die
    Bundestagsvizepräsidentin und Obfrau im NSU-Untersuchungsausschuss Petra
    Pau sagte. Dass sich Verfassungsschutzämter prinzipiell einer
    demokratischen Kontrolle entziehen und ein System der V-Leute
    Quellenschutz über Strafverfolgung stellt, steht dabei als
    Hauptkritikpunkt im Fokus. „Der Verfassungsschutz ist ein Fremdkörper in
    einer demokratischen Gesellschaft“, so Petra Pau.

    Linke Alternativen zum Verfassungsschutz suchte die Veranstaltung
    zunächst aus parlamentarischer Sicht. Der Bundestagsabgeordnete der
    LINKEN Jan Korte stellte sein 12-Punkte-Thesenpapier vor, das bis 2014
    einen Umbau des Verfassungsschutzes zu einem Informations- und
    Koordinationszentrum ohne nachrichtendienstliche Kompetenzen vorsieht.
    Martina Renner und Kerstin Köditz, Innenpolitikerinnen der
    Linksfraktionen in Thüringen bzw. Sachsen gaben Einblick in
    parlamentarische Initiativen zur Abschaffung des Verfassungsschutzes in
    beiden Bundesländern. Ziel der LINKEN ist auch dort, die Landesämter für
    Verfassungsschutz in Demokratie- bzw. Bildungs- und Informationszentren
    umzuwandeln, deren Arbeitsgrundlage ausschließlich auf
    wissenschaftlichen Quellen und Materialien beruht.

    Mit dem Autor und Juristen Dr. Horst Meier und dem Kriminologen und
    ehemaligen Staatsschützer Charles von Denkowski entwickelte die
    Fachtagung schließlich ihre deutlichste Kontroverse. „Es gibt so viele
    Arten die Verfassung zu schützen und keine davon braucht Ämter für
    Verfassungsschutz”, so Meier. Freiheit schütze sich am besten durch sich
    selber, durch eine Gesellschaft, die sich in öffentlichen Debatten mit
    sich selbst und nach den Regeln der Verfassung auseinandersetzt. Keine
    Auflösung des Verfassungsschutzes ohne grundlegende Reform des
    Staatschutzes meinte hingegen Charles von Denkowski. Es gebe reale
    Gefahren, vor denen Schutz benötigt wird. Dieser müsse jedoch
    rechtsstaatlich organisiert sein.

    Die Rolle der Zivilgesellschaft beim Schutz von Demokratie und
    Rechtsstaatlichkeit rückte zum Ende der Fachtagung nochmal verstärkt in
    den Fokus. Der Autor und Journalist Maik Baumgärtner und Pascal Begrich
    von Miteinander e.V. hatten den Gästereigen komplett gemacht und
    ihrerseits Sichtweisen und Standpunkte – unter anderem zur
    Sinnhaftigkeit eines neuerlichen NPD-Verbotsverfahrens – eingebracht.
    Henriette Quade, innenpolitische Sprecherin der Linksfraktion zog am
    Ende ein positives Fazit. „Die Veranstaltung war ein wichtiger Schritt,
    sich die verschiedenen Konzepte zu vergegenwärtigen, sie zu hinterfragen
    und weiterzuentwickeln.“

    Die Redebeiträge und Diskussionsinhalte der Fachtagung „Geht´s auch
    ohne? Linke Alternativen zum Verfassungsschutz“ wird die Fraktion DIE
    LINKE in einer offiziellen Publikation veröffentlichen. Zudem sind
    weitere Veranstaltungen in dieser Themenreihe geplant.


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